Ein Reihenhaus verwirklicht Wohnträume und moderne Stadtplanung.


Peterswerder, Braunschweiger Straße 41: Zwischen stattlichen Bremer Häusern kauerte hier jahrzehntelang ein Gebäude, das sich immer noch vor den Schrecken der Bombardierung zu ducken schien. Nur Souterrain und Erdgeschoss waren Anfang der Fünfziger Jahre, nach den verheerenden Bombentreffern, als Wohnraum wiederhergestellt worden. Bis die Eigentümer sich 2016 zu einer Aufstockung entschlossen.
Der Bremer Architekt Theis Janssen schuf im Auftrag der Bauherren ein Gebäude, das mit seinem Wohnwert und seiner modernen Variante der Gründerzeitfassaden in dieser Straße von den Architektenkammern Niedersachsen und Bremen, in eine Wander-Ausstellung zur Bedeutung des Reihenhauses für den Städtebau aufgenommen wurde: „Wachgeküsst – umbauen in der Reihe“.
Reihenhäuser als Musterbeispiele, wie Bestandsbauten durch intelligente Modernisierung zu erschwinglichen Preisen heutigen Anforderungen an Nachhaltigkeit und kompakter Bauweise gerecht werden.

Für die äußere Gestaltung waren sich der Architekt und die Bauherren einig, die Fassade in Gliederung und Größe ihrer Elemente an das Bremer Haus der Gründerzeit anzupassen. Die Fenster im 1. Stock setzen auf gleicher Höhe und in einer modernen Stilvariante die Fensterreihe des nachbarlichen Bremer Hauses fort. Die Stuckelemente unterhalb der Traufe des traditionellen Hauses finden im Neubau eine Entsprechung in einer schmalen Fensterreihe die zum Wohnraum im 2. Stock gehört, und wo in dem mehr als einhundert Jahre alten Nachbarhaus pittoreske Friese der Fassade Akzente setzen, erhebt sich in Nummer 41 in gerader Linie von der Straßentreppe zum Hochparterre, den Fenster im 1. und 2. Stock ein Erker.

Im Inneren entstanden zwei eigenständige Wohnungen mit 92 m2 und 145 m2. Die größere wird von den Eigentümern bewohnt, die kleine Einliegerwohnung ist vermietet. Beide Wohnungen orientieren sich mit ihren Räumen zum grünen Hinterhof hinaus. Ein besonderes Kunststück wird erst offenbar, wenn man sich in dem Gebäude bewegt: Es ist von innen wesentlich größer, als es von außen erscheint.

Viel Tageslicht und kontrastierende Materialien schaffen eine besondere Atmosphäre. Die filigrane Holz-Stahltreppe ist auch gestalterisch das Verbindungselement zwischen den oberen Etagen. Holz spielt eine wesentliche Rolle bei Sanierung und Umbau des Gebäudes. Die Aufstockung erfolgte durch Holzständerbauweise. Der Wunsch der Bauherrin nach einer sichtbaren Holzbalkendecke stellte für den Architekten allerdings eine Herausforderung dar, denn es galt, diesen Wunsch nach atmosphärischer Ursprünglichkeit mit den hohen Ansprüchen der Brandschutzverordnung zu vereinbaren. Die Lösung waren überdimensionierte Balken, die einem Brand über eine Stunde standhalten würden.

„Durch die Brandschutzauflagen war die Holzbalkendecke eine Herausforderung“

Der helle honigfarbene Holzton löst die Schwere der massigen Bohlen auf und taucht die Räume in ein warmes Licht. Aus Holz sind auch die Fenster, nicht zuletzt, weil sie den Vorstellungen des Architekten, anders als Kunststoff, im Hinblick auf Ökologie und Natürlichkeit entsprechen. Im ersten Obergeschoss grenzt zum Garten hin ein Balkon an die große Wohnküche. Bodentiefe Fenster über die gesamte Rückfront vermitteln ein Gefühl von Weite. Zur Straßenseite schließt sich der offene Wohnraum an. Im zweiten Obergeschoss befinden sich Schlaf- und Arbeitszimmer sowie ein großzügiges Bad.

Hier hat der Architekt einen Lichtschacht zum Blickfang gemacht. Gläserne Schiebetüren geben den Blick frei auf das Sichtmauerwerk des Nachbargebäudes.

Aus der Notwendigkeit, einen Fluchtweg zu schaffen, ist ein reizvoller Dachausstieg auf dem Erker entstanden. Und weil Bauherren und Architekt gleichermaßen auf Nachhaltigkeit Wert legten, ist das Haus energetisch mit effizienten Wand- und Dachdämmungen, dreifach Verglasung und Solarkollektoren auf dem neuesten Stand.

So wurde das Haus Braunschweiger Straße 41 zu einem Beispiel, wie durch Aufstockung ein Reihenhaus in der Nachbarschaft von Gründerzeithäusern einer modernen Stadtplanung entspricht: Wohnraum schaffen durch Bauen im Bestand – und dabei das typische Gesicht des Straßenzuges zu erhalten und ihm einen Akzent von Modernität hinzuzusetzen.

 

Fotos: Theis Janssen

Die filigrane Holz-Stahltreppe und viel Tageslicht geben in Verbindung mit den kontrastierenden Materialien als gestalterische Elemente dem Innenraum seine besondere Atmosphäre.

ARCHITEKT BDA THEIS JANSSEN

Der Aufgabenbereich des Architekturbüros Theis Janssen ist hauptsächlich durch Wohnungsbauten geprägt. Neben Planung und Umsetzung von Neubauten sind Umbau und Sanierung von Bestandsimmobilien ein Schwerpunkt. Mit Fingerspitzengefühl arbeitet er charakteristische Merkmale heraus und sorgt gleichzeitig für nachhaltige Bauwerke mit einem gesunden Raumklima, die heutigen Ansprüchen gerecht werden.
 

Architekt BDA Theis Janssen – Fehrfeld 61 – 28203 Bremen – Telefon 0421 898 44 300
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