Tiny Houses sind Raumwunder – und eine Übung im Verzicht


Das Tiny House hat in Deutschland so großes Interesse gefunden, dass im Oktober 2019 ein nationaler „Tiny House Verband“ gegründet wurde. Seine Vorsitzende Regina Schleyer spricht von einer „Tiny House Bewegung“ – nachhaltiges Wohnen, weniger Flächenverbrauch, Verzicht auf viele Dinge des Lebens. Der jedoch fällt oft nicht leicht, und so rät sie jedem, der in ein Tiny House ziehen will, erst einmal zum Probewohnen.

Ein gut durchdachtes Tiny House ist ein kleines Wohnwunder. Herausziehbare und verschiebbare Wohnelemente, Schränke, ein Küchenbereich, ein kleines Bad und sogar eine Treppe zur Schlafempore hinauf. Bei der Planung eines Tiny Houses hat man die Wahl zwischen einem mobilen Heim und einem festen Haus ohne Transportmöglichkeit. Gesetzlich wird hier zwischen Häusern und Fahrzeugen unterschieden. Doch ob mit oder ohne Räder: Wer sein Tiny House dauerhaft bewohnt, braucht immer eine Baugenehmigung.
Eine Ausnahme bilden Campingplätze, auf denen Wohnnutzung erlaubt ist. Die Höchstwerte für ein mobiles Tiny House mit Zulassung für den Straßenverkehr betragen 2,55 m Breite, 4,00 m Höhe und 9,00 m Länge. Für fest installierte Häuser gelten ähnliche Maße.

Doch Tiny Houses können nicht nur als Wohnraum genutzt werden. Einfallsreiche Hersteller haben Konzepte für Büros, Beratungsräume, Gästehäuser, Ateliers, Werkstätten, Verkaufsstände,
Studentenwohnungen und nicht zuletzt auch als barrierefreie Anbauten an bestehende Häuser entwickelt.

All das war auch vor dem Tiny Trend möglich. Insofern ist das Tiny House keine neue bahnbrechende Erfindung. Seine Besonderheit liegt vielmehr darin, zu systematisieren und zu kultivieren, Materialien und Funktionen zu optimieren. Wir stellen zwei Hersteller aus unserer Region vor:
Für die HanseBau 2014 hatte der Tischlermeister und Betriebswirt Stephan Wöhltjen aus Achim eine Eingebung. Er präsentierte das Leistungsspektrum seiner Konzepttischlerei statt auf einem herkömmlichen Messestand in einem Mini Haus – das selbst ein Beispiel für das Know How seines Betriebs war. Die Resonanz auf der Messe gab ihm Recht. Sein vollständiges Haus im Miniformat, ausgestattet mit vielen Raffinessen und spannenden Lösungen auf engem Raum, präsentierte auf überzeugende Weise das Leistungsspektrum der Tischlerei. Auf der Messe diente es als Kommunikationszentrale, Ruheraum und Lager. Zudem war es so konzipiert, dass es mobil auf einen Trailer transportiert und hydraulisch abgesetzt werden konnte.

„Mit Kreativität und klugen Ideen können Tiny houses zu wahren Platzwundern werden!“

Aus dem „Messehaus“ wurde ein Geschäftsmodell mit einer kompletten Produktlinie: „Tiny House by Wöhltjen“. Die Konstruktion des Mini-Hauses war so konzipiert, dass es mobil auf einem Trailer transportiert und hydraulisch abgesetzt werden konnte. Das Portfolio bietet sowohl Guest-, Work- als auch Life Houses. Individuell auf die jeweilige Lebens-/Arbeitssituation zugeschnitten mit ausgeklügelter Technik und auf modernstem Stand.

„Ein Tiny House ist für viele im ersten Moment eine spannende Alternative“, erklärt Geschäftsführer Stephan Wöhltjen. „Das Leben auf siebzehn Quadratmetern bedeutet allerdings eine enorme Umstellung von der normalen Wohn- und Lebenssituation.“ Potenzielle Kunden haben deshalb bei ihm die Gelegenheit in einem eigens dafür hergestellten beheizbaren Testhaus die neue Lebensform auszuprobieren: 17 Quadratmeter mit Duschbad, WC und einer Treppe hinauf zu zwei separaten Schlafräumen.

Das Unternehmen Wabe Haus in Worphausen hat zum trendigen Tiny House eine interessante Alternative entwickelt, die aus der jahrelangen Erfahrung und Leidenschaft für den Holzrahmenbau hervorgegangen ist.

In der modernen Fertigungshalle werden Bauelemente und Module für den Holzrahmenbau erstellt – eine ideale Voraussetzung Mini-Häuser für vielfältige abgewandelte Anwendungsbereiche zu fertigen, freistehend oder als räumliche Ergänzung an ein bestehendes Gebäude angedockt.

Wie die Nutzung dieser Mini-Häuser ist auch ihre Gestaltung vielseitig. Neben Holz sind Fassaden aus Putz oder Metall möglich. Türen, Fenster, Fußböden und Wandgestaltung werden nach dem Geschmack der zukünftigen Nutzer eingebaut. In der Regel wird kein Fundament benötigt und die Module sind innerhalb eines Tages aufgebaut.

Als freistehendes Gebäude ist das Tiny House für viele Zwecke einsetzbar. Beispielsweise als Präsentationsraum, Besprechungszimmer, Galerie oder Büro. Für die private Nutzung eignet es sich als Gartenhaus oder Hobbyzimmer. Kommt eine Küchenzeile und ein kleines Bad hinzu, wird daraus eine Miniwohnung. Wenn das Bad aus dem Obergeschoss ins Erdgeschoss verlegt werden muss, kann auf diese Weise ein barrierefreier Raum mit vollständigen sanitären Einrichtungen geschaffen werden. Auch Wabe Haus bietet die Möglichkeit, einen Prototyp zu besichtigen.

 

Fotos: Hauke Müller Fotografie | Karin Raschke | WABE HAUS

Mit mobilen Besprechungsräumen nah am Kunden. Die stilvolle Atmosphäre im Tiny House bietet einen passenden Rahmen für entspannte Gespräche.