Pädagogische Architektur liefert notwendige neue Raumkonzepte
für neue Lehrmethoden.

Der Bedarf an neuen, zeitgemäßen Schulgebäuden ist enorm: Seit den großen Bauprogrammen der Nachkriegszeit, die bis in die 60er Jahre reichten, wurden noch nie so viele neue Schulen gebaut, wie in den vergangenen zehn Jahren. Das hängt mit dem anhaltenden Bedarf an Ganztagsschulen, dem Aufgehen von Haupt- und Realschulen in Oberschulen und der Inklusion zusammen.

Da sich die Unterrichtsmethoden vom Frontalunterricht zu differenzierten Konzepten stark verändert haben, benötigen Schulen heute auch vollkommen veränderte Raumkonzepte, um die aktuellen Lehrformen zu unterstützen. Klassenzimmer sollten Schülerinnen und Schüler beim Lernen inspirierend unterstützen. Architektur und Pädagogik müssen deshalb im Schulbau eng zusammenarbeiten. Die Montag Stiftung Jungend und Gesellschaft und die Stiftung Urbane Räume verbinden beide Disziplinen seit vielen Jahren in gemeinsamen Projekten. Dabei ist der Begriff der „Pädagogischen Architektur“ entstanden, an dem sich viele Architekten ein Beispiel nehmen.

Das Bremer Architekturbüro SchröderArchitekten plant und begleitet seit 2004 neue Schulgebäude. In dem 22-köpfigen Architekten-Team entwickelt der speziell als „Schulbauberater“ qualifizierte Architekt Christian Rolfes moderne, multifunktionale, inspirierende Neubauten, von denen das Büro innerhalb der letzten zehn Jahre bereits 14 im gesamten Nordwesten realisiert hat. Acht weitere befinden sich derzeit in Hamburg und Bremen in Planung oder im Bau.

Die Ansprüche an das Raumprogramm moderner Schulen unterscheiden sich grundlegend von denen, die der Elterngeneration unserer Kinder vertraut ist: „Da fast alle neuen Schulen Ganztagsschulen sind, in denen Kinder bis in den Nachmittag hinein unterrichtet und betreut werden, gibt es neben einer Mensa viele Ganztagsräume wie Medienraum oder Bibliothek sowie ein großes Angebot an Sonderräumen für Arbeitsgemeinschaften“, erklärt der Architekt Michael Schröder.
Moderne Brandschutzkonzepte, so Schröder, lassen es zu, dass alle Teile des Schulgebäudes als Aufenthaltsraum mit entsprechender Möblierung genutzt werden. Auch Flure können durch Ausbuchtungen oder Nischen als zusätzliche Arbeitsräume fungieren. Nichts erinnert mehr an die kahlen, von Neonlicht beleuchteten trostlosen Gänge von früher.

Der Schulflur dient heute als Multifunktionsbereich

„Flure sind keine reinen Durchgangszonen mehr“, erklärt Schröder, „sondern Multifunktionsbereiche, die zum Arbeiten genutzt werden und durch Fensterzonen und Oberlichter mit natürlichem Licht taghell beleuchtet werden.“ Mit verglasten Bereichen zwischen Klassenraum und Flur, die eine visuelle Kontrolle durch den Lehrer ermöglichen, lassen sich im Flur unterschiedliche Differenzierungsflächen für kleine Arbeitsgruppen schaffen. Sie sind nach Unterrichtsbedarf möbliert, teilweise mit EDV-Anschlüssen ausgestattet und erlauben eine flexible Vergrößerung des Unterrichtsraumes um rund 20 Quadratmeter.

Das Zentrum neuer Schulgebäude, um das der Grundriss herum gezeichnet wird, ist das Forum:
Schröder: „Dieses Herz der Schule liegt in der Nähe aller Unterrichtsräume, ist Treffpunkt, Pausenhalle und Ort des Austauschs und Zusammenkommens.“ Überdies bietet es genügend Raum für Aufführungen und Feste. Bei der ganz in Holz geplanten Paul-Klee-Schule in Celle, die derzeit als Förderschule mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ entsteht, ist das Forum ein klar erkennbares Zentrum des vorwiegend eingeschossigen Baus, der auf kurze Wege und Barrierefreiheit ausgerichtet ist.

Je nach Bedarf der zukünftigen Schülerinnen und Schüler wird es vor den Klassenzimmern verschiedene Rückzugszonen geben, von denen einige mit Liegeflächen ausgestattet werden. Hier können Kinder, die nicht den ganzen Tag sitzen können, unterrichtet werden.

Als erstes Schulprojekt realisierte SchröderArchitekten zwischen 2004 und 2006 die Erweiterung und Sanierung der Grundschule Freiligrathstraße in Bremen. Ein gutes Beispiel, wie alte Schulhäuser durch gut geplante Baumaßnahmen für die Gegenwart und die nahe Zukunft fit gemacht werden können.

Durch den Neubau eines rollstuhlgerechten Fahrstuhlturms mit Erschließungsgang und neue Erweiterungsbauten für den Betrieb als Kooperationsstandort von behinderten und nicht behinderten Kindern, wurde das bestehende Schulgebäude für die Inklusion geöffnet.

Eine neue, vollständige Verglasung zum Schulhof bewirkt, dass das Klassenraumhaus jetzt großzügig mit Naturlicht durchflutet wird. Gleichzeitig wurde eine Integration von Innen- und Außenraum geschaffen, die ebenfalls durch die Öffnung der Aula zum Schulhof erfolgte. Die Fenster zur Straße schaffen mit einem Filter aus farbigen Gläsern ein differenziertes Licht-und-Farbspiel machen das alte Gebäude optisch moderner und attraktiver.

Für seine Neu- und Erweiterungsbauten hat das Team von SchröderArchitekten bereits Architekturpreise gewonnen: 2006 wurde das Büro für die Erweiterung und den Neubau der Schule an der Julius-Brecht-Allee mit dem BDA Preis Bremen ausgezeichnet: Die Jury lobte das neue Raumkonzept, die gelungene Fluraufweitung und die besondere Qualität der Klassenräume. 2012 kam die als Passivhaus errichtete Schule in der Steinbreite in Hannover in die engere Wahl für den BDA Preis Niedersachsen. Und für den Erweiterungsbau der Marga-Spiegel-Sekundarschule Werne gab es 2013 den Schulbaupreis des Landes Nordrhein-Westfalen.

Weitere Schwerpunkte von SchröderArchitekten sind die Planung und Realisierung von Bank- und Verwaltungsbauten und von Projekten im Gesundheitswesen. Städtebauliche Projekte und Wohnungsbau gehören zum Repertoire des Unternehmens.

idStbr_17Grundschule an der Steinbreite

innenKita Schule Sport Hannover

FA131101_334Neue Oberschule Gröpelingen

GS_29Oberschule Groß Schwülper

Fotos: Frank Aussieker

SchröderArchitekten


SchröderArchitekten wurde 1998 von Michael Schröder gegründet. 2005 zog das Team von heute 22 Architekten vom Fedelhören in die Schwachhauser Heerstraße. 2008 wurdet Michael Schröder in den BDA (Bund Deutscher Architekten) aufgenommen und hat seitdem Lehraufträge für Entwerfen und Baukonstruktion wahrgenommen. Er ist regelmäßig als Preisrichter in Architektenwettbewerben tätig.

SchröderArchitekten – Schwachhauser Heerstraße 210 – 28213 Bremen – Telefon 0421 6962860
www.schroederarchitekten.de