Design-Klassiker

Keinen Raum gestaltet der Mensch so frei und unabhängig nach seinen Wünschen, Bedürfnissen, seinem Geschmack, wie seine Wohnung. Denn hier kann er ganz sein, was er stets sein will: Er selbst. Und wenn dieses innere Selbst auch wandelbar ist, so behält es doch seine Identität und verändert sich nicht mit den Moden. Stehen Wohntrends und Einrichtungsmoden also dazu in einem Widerspruch?

Lieben kann man nur, was man kennt. Eine Tatsache, die nicht allein der Liebe eine weite Welt eröffnet, sondern auch der Gestaltung seiner Wohn- und Lebenswelt. Der Reiz des Unbekannten, das es zu entdecken gilt. Und weil die jedes Jahr Maßstäbe setzende internationale Einrichtungsmesse IMM Cologne schon vorbei ist, heißt es an dieser Stelle: Auf ins Internet! Zu einem virtuellen Bummel, um die neuesten Trends in der Welt der Designmöbel zu erkunden.

Als Zeichen der Zeit wurde auf der IMM mit Pure Village ein neues, zukunftsweisendes Messeformat präsentiert. Kreativ werden hier Möbelsysteme, Einzelmöbel, Farb- und Lichtkonzepte, Boden- und Wandgestaltungen in einer inspirierenden Einrichtungswelt dargestellt. Damit wird diese Plattform der zunehmenden Überschneidung von Sortimentsbereichen gerecht und bildet ein Forum für unkonventionelle Interieur-Design-Konzepte.

Nach dieser Erfahrung ist es von Köln zum Salone Internazionale del Mobile in Mailand nicht mehr als ein Gedankensprung mit Mausklick, schließlich ist dies die bedeutendste Messe für alle großen Möbelmarken der Welt. Und dort bestätigte sich, worauf man bei der Lektüre führender Designermagazine und einschlägiger Internetportale schon vorbereitet wurde: Die aktuellen Wohntrends sind – die Klassiker. Bewährt, dabei zeitlos in Ästhetik und Funktionalität. Wie ist das zu erklären?

Ursula Geismann, Trend- und Designexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie sagt: „Im Internet erleben die Menschen, wie schnelllebig die Zeit ist. Schon die ständigen Updates gehen ihnen an die Nerven, deshalb sucht man Zeitbezug und Dinge, die schon einmal da waren.“

Was es schon vor langer Zeit gab und Substanz hat, das kehrt häufig als eine zeitgemäße Variation von sich selbst zurück, oftmals dabei auch neu interpretiert. Der Eames Lounge Chair beispielsweise. Ergänzend zum ursprünglichen Modell aus dem Jahre 1956 bietet Möbelhersteller Vitra diesen Sessel neuerdings in einer 10 cm größeren Version an, um den heute durchschnittlichen Körpermaßen eines Menschen aus westlichen Industrienationen gerecht zu werden.

Bei Rolf Benz kommt nach 25 Jahren das Sofa 323 als Reedition heraus. Obwohl in seiner ersten Fassung noch immer erfolgreich, wurde es auf der IMM Cologne in drei Breiten, zwei Sitztiefen als auch zwei Sitzhöhen sowie verschiedenen Fußversionen vorgestellt. Vielfalt im Beständigen scheint die Devise zu sein. Seit langem wird dieser Leitgedanke bei USM Möbelbau meisterhaft umgesetzt. Längst zum zeitlosen Design-Klassiker geworden, verspricht das einfache, jedoch geradezu geniale Regalsystem Haller dauerhafte Kompatibilität.
Und dies nicht allein in Bezug auf Funktion und Erweiterbarkeit. Auch das Design passt sich jeder Stilrichtung an. Ob Privaträume oder Bürolandschaften – Haller ist zurückhaltend präsent und steht für zeitlosen Geschmack und werthaltige Qualität.

Am gleichfalls legendären Regalsystem 606, das bis 2013 vom Hersteller SDR+ in Lizenz vertrieben wurde, zeigt sich, dass Reeditionen nicht immer unproblematisch sind. In diesem Fall war der Urheber und weltweit bekannte Designer Dieter Rams mit einer erfolgten Auflage in Sonderfarben nicht einverstanden, woraufhin sämtliche Lizenzen dem Londoner Hersteller Vitsoe übertragen wurden.

SDR+ firmiert seitdem nur noch unter S+, allerdings nicht ohne ein vielversprechendes Regalsystem im Portfolio. Der Chefdesigner des Hauses, Thomas Merkel, entwickelte mit dem System M eine ebenso ästhetische wie funktionale Alternative, der technisch innovative Halterungen besondere Flexibilität verleihen. Möglicherweise ein Klassiker von morgen?

Welche Möbel in unser eigenes Wohnkonzept passen, bleibt letztlich der kreativen Freiheit überlassen. Ob planvoll oder intuitiv schaffen wir uns Lebensräume, in denen wir zuhause sind mit unseren Wünschen, Bedürfnissen und Ansprüchen. Vielleicht sind Klassiker deshalb Klassiker, weil es dem Designer gelungen ist, mit seiner Idee ein allgemeines Anliegen zu materialisieren, das immer mitklingt, sich mit unserem Lebensgefühl paart und Akzente in einem unverwechselbaren Interieur setzt.

„Mit meinen Arbeiten Ordnung schaffen, das Chaos eliminieren, und sich auf das Wesentliche konzentrieren“ – die Design-Philosophie von Dieter Rams bildet sich in seinen Möbeln ab. Sie schaffen dadurch einen Ruhepol, der dennoch Spielräume für fantasievolle Interpretationen lässt.

 

Titelfoto: Lounge Chair, Design Charles & Ray Eames, © Vitra


Fotoquelle: POPO

Neue skandinavische Leichtigkeit – About a Chair von Hay

Der About A Chair (AAC 22) von Hee Welling für HAY hat sich meiner Meinung nach in den letzten Jahren zu einem echten „jungen“ Klassiker entwickelt. Die Kunststoffschale mit ihrer klassischen Form geht mit dem Untergestell aus geseifter Eiche eine Verbindung neuer skandinavischer Leichtigkeit ein. Die auffallend reduzierte Form des AAC passt zum Esstisch und ist ebenso gut am Schreibtisch oder in der Kantine einsetzbar.
Der About A Chair ist bewusst einfach und schlicht gehalten und kann gerade deshalb problemlos mit anderen Möbeln und Umgebungen kombiniert werden. Das gute Preisleistungsverhältnis ist nicht zuletzt durch Bequemlichkeit begründet.
Viele Kunden, die mit Stuhlklassikern von Eames, Panton oder Breuer im Elternhaus aufgewachsen sind, entscheiden sich heute gerne für den AAC von HAY, da dieser als Allround-Talent und neue Designikone sich immer mehr zu einem neuen Klassiker entwickelt.

Lars Dierking – POPO Sitzmöbel und Stehschränke GmbH, Bremen

www.popo.de


Schweizer Gemütlichkeitbild_zwei

Gutes Design ist langlebig, innovativ und ästhetisch.
Gutes Design macht ein Produkt brauchbar. Eben diese Attribute verkörpert das Sofa DS – 167 aus der Manufaktur de Sede.
Der skulpturale Korpus ist filigran, schlank und modern. Leger an den flexiblen Rückenlehnen angebrachte Kissen, weich gezeichnete Absteppungen und reduzierte Edelstahlfüße komplettieren das Bild einer sinnlichen Sitzlandschaft, die jederzeit beliebig gestaltet werden kann und das Lebensgefühl „Homing“ auf’s Schönste verkörpert.

Jörg Kapels – Ullmann Einrichtungen, Oldenburg
www.ullmann.de


Linientreues Quadrat

Der Sessel F 51 ist ein Entwurf von Walter Gropius und wird heute von TECTA hergestellt. 1923 wurde er anlässlich der großen Bauhausausstellung im Direktorenzimmer ausgestellt. Die ungewöhnliche Kragarmkonstruktion ist gleichzeitig wesentliches Gestaltungselement dieses kompakten Sitzmöbels. Trotz dicker Polster vermittelt der Sessel aufgrund dieser Konstruktion einen schwebenden Eindruck. Mir gefällt besonders, dass Farben und Materialien flexibel kombiniert werden können. So lässt sich dieser Sessel harmonisch in jeden Stil integrieren, genauso wie er eigenwillige Akzente setzen kann.

Christiane Kehlbeck – Einrichtungshaus Heinrich Kehlbeck, Oyten
www.kehlbeck.de


Design mit System

Das Regalsystem 606, von Dieter Rams 1960 entworfen, gehört für mich zu den besten Klassikern. Seit der Lizenzübertragung auf den britischen Hersteller Vitsoe ist der Vertrieb auf dem deutschen Markt leider eingeschränkt. Um so mehr freut es mich, meinen Kunden mit dem System M von Thomas Merkel eine vielversprechende Alternative bieten zu können. Es ist sehr flexibel und lässt sich für jeden Anspruch individuell zusammenstellen. Ebenso wie das 606 kann man es beliebig erweitern oder veränderten Ansprüchen anpassen. Auch sein zeitloses Design spricht dafür, dass System M auf dem besten Weg ist, zum Klassiker zu werden.

Oliver Teich – Treibholz – Natürliche Einrichtungen, Bremen
www.treibholz-wohnen.de


Intuitive Lichtsteuerung

bild-fünfWir mögen die durchdachte Lichttechnologie der LED-Schreibtischleuchte Roxxane von Nimbus. Sie sorgt für perfektes Licht im Büro, im Home-Office und auch im Living-Bereich. Dank ihrer Friktionsgelenke und eines 3D-Gelenkkopfes ist sie äußerst beweglich. Ohne Berührung regiert die Leuchte auf Gesten und ist so steuer- und dimmbar. Das gibt ihr persönliche Züge.
Auch aus gestalterischer Sicht ist Roxxane ein Multitalent. Geometrisch und reduziert in der Form passt sie sich an und hat zugleich eine unaufdringliche Präsenz. Schön ist es auch, dass es sie in verschiedenen Farben gibt.

Karola Klinkenborg-Schamuhn & Frank Schamuhn – FORUM LICHT, Bremen
www.forum-licht.de


Die Vintage-Variante des FK

bild-sechsVor über 30 Jahren schaffte ich mir zwei Schalensessel von Preben Fabricius & Jørgen Kastholm an. Die verspielte Leichtigkeit der minimalistischen Form hatte es mir angetan. Als Innenarchitekt liebe ich durchdachte Möbel, deren Funktion und Ästhetik eine zeitlose Einheit bilden. Dieser Stuhl hat vieles mit mir erlebt – auch eine kurze Zeit, in der ich einem Trend folgte und mich für andere Bürostühle entschied. Einer inneren Stimme gehorchend, wurden meine zwei Tulip Chairs solange sicher verwahrt. Längst gehören sie nun wieder zu meiner inspirierenden Büroeinrichtung. Sie sind unvergleichlich und trotz eines hohen Sammlerwertes unverkäuflich. Ihre Gebrauchsspuren erzählen gemeinsame Geschichten. In dieser Form wird das Modell nicht mehr aufgelegt, darum freue ich mich über die Raritäten, die mir ans Herz gewachsen sind. Obwohl ich Möbel aus dem Hause Walter Knoll sehr schätze, wollte ich meine Tulip-Chairs mit Vintage-Charme gegen keine Reedition eintauschen.

Hartmut Fricke – Fricke – Holz · Handwerk · Architektur, Neubruchhausen – Bassum
www.fricke1859.de


Vielseitiger Eyecatcher

bild-siebenFür einen Klassiker ist der PARABOLICA von LEOLUX fast ein bisschen jung. Allerdings trägt er schon seit sechs Jahren das Prädikat der Reddot-Auszeichnung. Er besticht nicht nur durch seine außerordentliche Funktion, sondern ist aufgrund seiner Asymmetrie Gestaltungselement für jeden Raum. Die Form erlaubt gleichzeitig Positionen: bequemes Sitzen, entspanntes Liegen oder aktives Sitzen mit der Armlehne als kleine Arbeitsfläche. Es gibt den PARABOLICA mit rechter oder linker Armlehne. Auch die für LEOLUX typische Auswahl an Farben und Materialen machen diesen Sessel zu einem prägenden Objekt individueller Einrichtungen.

Andreas Rzepka – Wagner Wohnen GmbH, Syke
www.wagner-wohnen.de

RolfBenz_323_002_large In diesem hochmodernen Sofa klingt ein Vierteljahrhundert an. Rolf Benz 323 ist ganz auf zeitgenössische Sitzgewohnheiten abgestimmt und hat dennoch den direkten Draht zum Klassiker. Designerin Anita Schmidt ließ sich von ihrem früheren Werk zu diesem neuen, raffinierten Stück Sitzkultur inspirieren.

Foto: Rolf Benz

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Das Regal „System M“ von Thomas Merkel nimmt sich selbstbewusst zurück, um Raum zu lassen für Individualität.

Foto: S+ Systemmöbel

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Eine verchromte Kugel ist seit 50 Jahren das verbindende Element des Regalsystems Haller von USM.

Foto: USM