Häuser im Holzrahmenbau verdanken ihre Beliebtheit nicht allein dem ökologischen Bewusstsein.


Wenn Mark Twain heute nach Deutschland zurückkehrte, würde er mit Befriedigung feststellen, dass die Deutschen in den rund 140 Jahren, die seit seinem letzten Aufenthalt vergangenen sind, doch etwas gelernt haben. „Ich habe nie verstanden, weshalb die Deutschen in Steinhäusern wohnen“, notierte er befremdet auf seiner Reise durch Europa.

In Amerika baute man mit und auf Holz. Dort hatte sich eine hoch spezialisierte Holzverarbeitungsindustrie entwickelt, die sich auch heute noch gegen die Stahl- und Skelettbauweise der Wolkenkratzer behauptet.

Als Mark Twain 1878 als „Innocent Abroad“ durch Deutschland reiste, hatte die Industrialisierung gerade die Produktionsprozesse verändert und mit ihnen die Lebensverhältnisse und Lebensweise der Menschen. Die industrielle Fertigung ermöglichte erstmals die massenhafte Herstellung von Häusern in Massivbauweise. Das Holzhaus schien im Museum der Zivilisationsgeschichte zu verschwinden.

Doch die industrielle Revolution wurde von der ökologischen Revolution abgelöst – das Holzhaus kehrte als moderner Holzrahmenbau zurück. Innovativ, Ressourcen schonend, nachhaltig. Seit Mitte der Neunziger Jahre ist das Haus im Holzrahmenbau bei uns zum Ausdruck modernen ökologischen Bauens geworden:
„Zurück zur Natur!“ Im postindustriellen Zeitalter wurde der Ursprung zum Imperativ für die Gestaltung der Zukunft – auch am Bau.

Mark Twain: Ich habe nie verstanden, weshalb die Deutschen in Steinhäusern wohnen.

 

Als der Mensch vor rund 50.000 Jahren begann, sich Behausungen zu bauen, bestanden seine vier Wände noch aus Ästen und Zweigen, die er mit Schlamm und Lehm bewarf. Erst 40.000 Jahre später entstanden die ersten Holzhäuser. Doch dann erfanden indische Handwerker vor rund 5.000 Jahren die Technik des Ziegelbrennens. Zum ersten Mal konnten Mauern im Verbund hergestellt werden. Das Fundament für das Massivhaus war geschaffen.

Der Mensch baute jedoch weiter auf Holz. Nicht nur bei der Errichtung seiner vier Wände, sondern auch als deren Fundament. Venedig steht auf Lärchenholzpfählen. Aus den steinzeitlichen Pfahlbausiedlungen entwickelte sich die Holzständerbauweise, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts mit dem Holzrahmenbau der Fachwerkhäuser ihre technologische Fortsetzung fand – bis zur Wiederentdeckung des Holzhauses in unserer Zeit.

Zur Erfolgsgeschichte des Holzrahmenbaus gehört allerdings die Überwindung einiger Vorurteile: Holz sei leicht entflammbar, es werde faul und morsch. Tatsächlich aber hat Holz eine hohe Feuerwiderstandsdauer. Konstruktionsholz enthält bis zu 14,9 Prozent Wasser, das bei einem Brand erst einmal verdampfen muss.

Dabei verhindert der bei der äußeren Verkohlung entstehende Schutzmantel, dass das Feuer genug Sauerstoff für die Verbrennung bekommt.

Die Langlebigkeit von Bauholz wird von mittelalterlichen Fachwerkhäusern mit ihren bis zu 800 Jahre alten Holzrahmen aufs Schönste demonstriert. Mit seiner überaus hohen Festigkeit im Verhältnis zu seinem Gewicht ist Holz ein hochstabiler Baustoff. Stabil und dennoch statisch flexibel, weil beim Holzrahmenbau keine durchgehenden tragenden Wände benötigt werden, sondern mit Stützbalken gearbeitet wird.

Im Jahr 2017 erreichte der Holzhandel in Deutschland einen Umsatzzuwachs von 3,4 Prozent. Das Statistische Bundesamt registrierte einen Gesamtumsatz von 11,4 Milliarden Euro, von denen rund die Hälfte auf die für den Häuserbau relevanten Rohbauprodukte entfiel. Und die Nachfrage steigt. Nicht zuletzt auf Grund der guten Auslastung der Baubranche, die eine zunehmende Beliebtheit des Baustoffs Holz registriert.

Einer der Gründe ist, dass Holzbauweise Trockenbauweise mit hohem Dämmwert bedeutet. Da das für den Holzrahmenbau technisch getrocknete Holz mit einer Restfeuchte unter 15 Prozent verwendet wird, gibt es Schädlingen keine Nahrung und liefert auch kein „Biotop“ für Pilzbefall. Der Mensch handelt jedoch nicht allein nach Vernunft und aus praktischen Überlegungen heraus, sondern auch nach seinem Gefühl. Holz enthält ein sinnliches Element, das den Menschen von Beginn seines Weges als Kulturwesen begleitet: Optik, Haptik, Aroma.

Bereits im Mittelalter wurden Bohlen mit der Hand aus der Mitte von Baumstämmen herausgeschnitten und über den gestampften Lehmboden der Behausung verlegt. Zum Objekt der Kunst und herrschaftlicher Präsentation wurde der Holzfußboden im 17. Jahrhundert durch die Erfindung des Tafelparketts, das mit der industriellen Massenfertigung im 19. Jahrhundert von den Palästen auch in Bürgerhäusern seinen Einzug hielt.

Holz atmet, als hygroskopischer Baustoff wirkt es regulierend auf den Feuchtigkeitsgehalt der Luft ein und schafft ein bekömmliches Raumklima, in dem unterschiedliche Witterungen kompensiert werden. Die vom Holz entlassenen Schwebstoffe durchatmen die Räume und schaffen eine Atmosphäre, in der sich ein Grundbedürfnis der Moderne erfüllt: Die Sehnsucht nach der verlorenen Ursprünglichkeit.

 

Fotos: LighUp Studious | Michael Gielen | shutterstock.com/dani3315

 


 

planeins Interview mit Hans Weidinger (Architekt & Sachverständiger)

Ihre Sicht auf das Thema Holz:

Welche Rolle spielt für Sie als Architekt mit ökologischem Schwerpunkt der Baustoff Holz?
Keine Frage, als nachwachsender Baustoff ist Holz für mich immer ein bevorzugtes Material. Wo man mit Holz arbeiten kann, sollte man das auch tun. Es ist vielseitig einsetzbar und lässt sich leicht bearbeiten. Durch die Vielzahl unterschiedlicher Hölzer, gibt es für jeden Anwendungsbereich die passende Sorte. Wir bauen gerne und häufig in Holzrahmenbauweise, die tatsächlich auch hier bei uns im Norden immer stärker von Bauherren gewünscht wird.

Worauf führen Sie die Zuwachsraten beim Holzrahmenbau zurück?
Holz vermittelt ein besonderes Lebensgefühl. Viele unserer Bauherren lieben das Klima und den subtilen Duft nach Holz. Auch aus energetischen Gründen spricht einiges dafür. Hinzu kommt, dass der technische Fortschritt es erlaubt, die Elemente eines Holzrahmenbaus in den Werkshallen der Bauunternehmen effizient und qualitativ hochwertig vorzufertigen. Das verkürzt die eigentliche Bauzeit. Für Bauherren ist das oft ein überzeugendes Argument.

Sie planen und Konzipieren im Kundenauftrag so unterschiedliche Objekte wie Wohnhäuser, Bürogebäude, Werkstätten …
Wie gewährleisten Sie, dass in der Umsetzung alle geplanten Details berücksichtigt werden?

Ich arbeite mit Fachfirmen aus der Region, die ich durch langjährige Zusammenarbeit gut kenne und die ich schätzen gelernt habe. Die Arbeit muss Hand in Hand gehen und auf denselben Qualitätsstandards aufbauen. Professionalität und Vertrauen sind für mich unverzichtbare Grundlagen für erfolgreiche und saubere Arbeit.

Welche Entwicklung sehen Sie für den Holzrahmenbau der Zukunft?
Mir fällt auf, dass es zunehmend mehrgeschossige Bauvorhaben gibt. Was vor Jahren undenkbar war, wird heute durch Hybridbauweisen ermöglicht. Ein Skelett aus Beton und die Hülle im Holzrahmenbau verbindet die positiven Eigenschaften der Materialien. Schon haben einige Bundesländer ihre Landesbauordnung
entsprechend angepasst. Hochhäuser bis zu fünf Geschossen wurden auf diese Weise bereits fertiggestellt.

 


 

planeins Interview mit Maximilian Melchers (Holzhandel Johann Erhard Meyer)

Ihre Sicht auf das Thema Holz:

Holz ist nicht gleich Holz. Ganz unterschiedliche Eigenschaften führen zu ebenso unterschiedlichen Nutzungen. Wie würden Sie das Spektrum Ihres Holzhandels beschreiben?
Wir führen Hölzer für alle Anwendungsbereiche. In unseren Hallen finden Sie Holz aus aller Welt für jeden Bedarf – ob Bauholz, Schnittholz oder Holzwerkstoffe. Entscheidend ist, aus der Vielzahl der Möglichkeiten die optimale Lösung auszuwählen. Dazu arbeiten wir mit kompetenten Fachkräften, die unsere Kunden bereits am Telefon gründlich beraten können.

Aus welchen Branchen kommen Ihre Kunden und was dürfen diese von Ihnen erwarten?
Zu unseren Kunden gehören Bauhandwerker und die Bauindustrie. Gewerke wie Dachdecker, Zimmerer, Tischler und Schreiner vertrauen auf unsere Kompetenz ebenso wie Architekten, Bauherren oder der Holzeinzelhandel. Auch durch den zunehmenden Holzrahmenbau werden unsere Produkte verstärkt nachgefragt. Erwarten können alle ein Gegenüber mit Fachwissen und einen leistungsfähigen Betrieb, der über eine funktionierende Logistik verfügt, damit die benötigten Hölzer innerhalb kürzester Zeit geliefert werden.

Die große Nachfrage nach Holz führt zu einem starken Wettbewerb. Wie positionieren Sie sich in diesem Markt?
Wir setzen auf Nähe zum Kunden und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Unsere Auftraggeber brauchen schlanke Strukturen und kurze Kommunikationswege. In einer guten Logistik liegt das Potenzial, echte Mehrwerte zu schaffen. So liefern wir neben Hölzern auch weitere Baustoffe, um aufwändige Lieferprozesse zu optimieren. Mit unserem Abbundservice ermöglichen wir präzises und zeitsparendes Arbeiten auf der Baustelle.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft des Holzhandels aus?
Holz ist ein Rohstoff der Zukunft, nicht zuletzt, weil er einem zunehmenden ökologischen Bewusstsein der Menschen entspricht. Um eine anhaltende Nachfrage zu bedienen, brauchen wir Fachleute für Beschaffung, Beratung und Vertrieb. Es ist nicht zu unterschätzen, dass wir uns in einem internationalen Markt bewegen. Ich bin außerdem überzeugt, dass auch der Holzhandel sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen muss.

Als die industrielle Revolution von der ökologischen abgelöst wurde, kehrte das Holzhaus als moderner Holzrahmenbau zurück.

Das für den Holzrahmenbau technisch getrocknete Holz gibt Schädlingen keine Nahrung und liefert auch kein Biotop für Pilzbefall.