Die Metamorphose eines Carports zu einem Lebensraum. In dem ungewöhnlichsten Auftrag seiner Karriere fand Innenarchitekt Fricke ein Arbeitsfeld mit überraschenden Perspektiven.

In seiner langen Laufbahn als Innenarchitekt hat Hartmut Fricke den unterschiedlichsten Räumen Schönheit, Stil und Atmosphäre gegeben. Meistens entstand dabei eine Heimstatt für das Lebensgefühl seiner Auftraggeber. Aber eine Heimstatt für ein Auto? Motorräder?

Der ungewöhnlichste Auftrag seines gestalterischen Lebens begann mit der schlichten Bemerkung eines Freundes, der die meisten Männer auf der Welt sofort zustimmen würden: „Da hast du siebeneinhalb Quadratmeter Auto, von dem du einmal geträumt hast, an dem dein Herz hängt, und das steht zwischen kahlen, weiß getünchten Wänden, neben einem Rasenmäher. Das ist doch nicht richtig.“

Das Echo von seinem Innenarchitekten entsprach genau dem, was er selbst dachte: „Die Menschen hängen ihre Bilder in klimatisierte Räume. Käse und Wein werden sorgfältig gelagert, aber das schöne Fahrzeug, das sie mit Liebe gekauft und erspart haben, steht lieblos in einer Betonbude.“ So behandelt man keinen Gegenstand, den man liebt.

Wir sprechen hier nicht von Autos, die nichts Anderes sind als ein Gebrauchsgegenstand zur Fortbewegung, und die von ihrem Besitzer nicht mehr widerspiegeln als seine Silhouette auf ihrem Lack. Sondern von Autos, in denen sich, vom Kühlergrill über Kotflügel, Innenausstattung und Anordnung der Antriebsaggregate etwas von seiner Persönlichkeit, seinem Gefühl für Schönheit, Stil, Raffinement spiegelt. Es kann übrigens auch ein Motorrad sein.  Doch eine Garage ist nun einmal eine Garage.

In diesem Fall war es bloß ein Carport als offenes Erdgeschoß eines ungenutzten Fachwerkhauses, durch das der Wind Staub, Regen und Blätter wehte. Dann sagte der Freund einen Satz, der als Leitmotiv den Innenarchitekten Fricke durchs Leben begleitet: „Kannst du das nicht schön machen?“

Und so entstand eine Garage als Wohnzimmer für Auto und Motorrad. Als Hobbyraum mit dem Ambiente eines Lebensraums, in dem man nicht nur seine Motorradstiefel anzieht, am Auto werkelt, sondern wo man sich auch mal zurückzieht und umgeben von geliebten Gegenständen seinen Gedanken nachhängt.

Nachdem der erste Schritt getan und der Carport in einen geschlossenen Raum mit Rolltor, Türen, Fenstern umgewandelt worden war, ahnte auch der Gestalter noch nicht das Gesamtkunstwerk, das am Ende herauskommen würde.

Der Schlüssel dazu war, wie so oft das Lieblingsmaterial des gelernten Tischlermeisters: Holz. Altes, von außen verwittertes Holz. Er trennte es auf, bearbeitete es jedoch nicht, sondern bürstete es lediglich ab. Aus dem Altholz entstand von den Bodenfliesen bis zur Unterkante der Fenster die halbhohe Täfelung. Seine Natürlichkeit und Ursprünglichkeit gab dem Raum Charakter. Zugleich gab es ihm etwas so Malerisches, dass es einen  professionellen Maler auf der Stelle inspirierte, die Wände mit pastoralen Motiven zu bemalen. Alles abgestimmt auf Farbe und Ausdruck des alten Holzes. Strich über Balken, Garagentor, über die Beschläge, dass sie den Charme von Gebrauch und Vergangenheit annahmen.

Das soll aber immer noch eine Garage bleiben, mahnte der Innenarchitekt. Guter Geschmack duldet keine Übertreibungen. Überraschungen
allerdings schon. Wenn sie dann auch noch, wie in diesem Fall, mit einem Stilelement verbunden sind, ist es einfach ein Glücksfall. Nachdem der Raum isoliert war, musste er noch beheizbar gemacht werden. Strom bot sich an, weil Strom-leitungen bereits vorhanden waren. Die Suche nach geeigneten Heizkörpern offenbarte ein fantastisches Sortiment an Elektroheizkörpern in originellen Ausführungen.

Die Wahl fiel auf zwei Heiztafeln, die wie Schultafeln aussehen und die tatsächlich auch beschrieben werden können. Symmetrisch an den Längsseiten des Raums einander gegenüber hängend, unterbrechen sie das Altholz auf interessante Weise, und kein Mensch kommt auf die Idee, dass sie zusammen mit dem weißen Kachelofen den Raum beheizen.

Mit dem weißen, mehrfach, also auch elektrisch beheizbaren 125 Jahre alten Original Kachelofen, war das Gesamtkunstwerk Wohngarage komplett. Als alles fertig war, haben sich Innenarchitekt und Auftraggeber in ihrer gemeinsamen Freude einen Moment lang angesehen, synchron in ihrer Überraschung über das Ergebnis.

So ungewöhnlich die Vorstellung von einer Garage als Herrenzimmer und als Wohnzimmer für Auto und Motorräder anfangs auch war, am Ende schien es so, als hätte die Logik der Aufgabe und des Gegenstands zur Entdeckung einer bis dahin verborgenen Wirklichkeit geführt. Hartmut Fricke sah sich im Land um und entdeckte ein riesiges Potenzial an ungenutzten Nebenräumen und Gebäuden.

Ebenso wurde ihm ein Potenzial in den Vorstellungen und Wünschen von Freunden, Bekannten offenbar, die von diesem Projekt erfuhren. Am Anfang hielten sie ihn für verrückt und am Ende sagten sie: Wenn es fertig ist, schick mir unbedingt sofort die Unterlagen.

 

Fotos: Armin Reichelt

IMG_2224Am Anfang waren ein ungenutzter Raum, ein unbehaustes Haus und eine Idee. Am Ende hatten das Auto und die Motorräder ein Zuhause, das zu ihnen passte.

_MG_8051Altes Holz, ein alter Werkzeugschrank. Ursprünglichkeit und Authentizität des Materials verbinden sich mit dem ursprünglichen Drang des Menschen nach Aufbruch und nach Ruhe.

_MG_8032Hobby und Technik, Inneneinrichtung und Kontemplation. Eine Garage kann viel mehr sein als nur ein Stellplatz. Als Ort eines stillen Genusses musste sie allerdings erst entdeckt werden.

Fricke GmbH & Co. KG

FrickesHolz, Handwerk, Architektur bestimmen das Leben des Innenarchitekten Hartmut Fricke. Keimzelle des Unternehmens ist die 1859 gegründete Tischlerei Fricke. Heute werden in dem Familienbetrieb, den Hartmut Fricke in fünfter Generation führt, individuelle Einzelmöbel hergestellt, Modernisierungen durchgeführt und Innenarchitekturen für Räume und ganze Gebäudekomplexe geschaffen.

 

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