Einerlei ob Holz, Kunststoff oder Naturfaser – trendige Bodenbeläge haben Hochkonjunktur.

Nichts macht die Bedeutung des Fußbodens so deutlich wie die Kulturgeschichte des Teppichs. Denn der Boden, der unsere Schritte trägt, auf dem wir sitzen, stehen, liegen, ist mehr als die Grundfläche, über der Haus und Wohnung errichtet sind. Er ist das Fundament von Wohnlichkeit und Schönheit, über den bloßen  Zweck hinaus seit Jahrtausenden in allen Kulturen verschönt und veredelt durch ein Kunstwerk – den Teppich.

Erst wenn der Boden festgelegt ist, erstehen Wände und Decke, zu denen er von Beginn an in ästhetischer und geometrischer Beziehung steht. Moderne Werkstoffe und die technologische Entwicklungen in der industriellen Fertigung haben dem Wohnraum eine neue Kultur von  großer Vielfalt beschert: Die Fußbodenkultur.

Doch einerlei, ob aus Holz, Naturfaser, Fliese, Kunststoff, Kork, Mörtel – sämtliche Fußbodenbeläge folgen demselben Trend: Individualität, Ästhetik, Gestaltungsvielfalt, Nachhaltigkeit, Ökologie. Traditionelle Qualitäten wie Strapazierfähigkeit, Pflege, Schall- und Wärmedämmung, Verlegbarkeit verstehen sich von selbst.

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Echtes Holzparkett ist eine gute Wahl für Hausbauer und Renovierer, die auf einen natürlichen, warmen und haltbaren Fußboden Wert legen. Durchdachte Verbindungssysteme vereinfachen die Verlegung.

Auf der Fachmesse für Bodenbeläge und Teppiche DOMOTEX im vergangenen Januar in Hannover veröffentlichte das Statische Bundesamt einen neuen Rekordwert der Branche. Im Jahr  2013 wurden in Deutschland Bodenbeläge von im Wert 3665 Millionen Euro hergestellt. Das bisherige Rekordergebnis von 2012 (3624 Euro) wurde noch einmal um 1,1 % gesteigert.

Dieser Anstieg geht ausschließlich auf die Herstellung von Bodenbelägen aus Kunststoff zurück. Ihre Produktion legte gegenüber 2012 um 11,2 % zu. Zwar behauptete Holz trotz eines leichten Produktionsrückgangs seine Spitzenposition mit rund 50 % des Gesamtwertes der im Jahr 2013 produzierten Bodenbeläge. Kunststoff  aber rückte mit insgesamt 17 % erstmals zu den Bodenbelägen aus Teppichen (18 %) auf. Dahinter verbirgt sich ein Trend.

Zu den Trendsettern unter den modernen Fußböden gehört ein Stoff, der seine erste industrielle Karriere längst hinter sich hat – als Schallplatte: Vinyl. Ein hochwertiger Kunststoff von hoher Lichtechtheit. Weitere Vorzüge: Hohe Trittschalldämpfung, widerstandsfähig, leicht zu verlegen und zu reinigen, druck- und kratzfest, beständig gegen Zigarettenglut, geeignet für Stuhlrollen, Fußbodenheizung.  Hinzu kommt seine Unempfindlichkeit gegenüber Wasser, so dass Vinyl nicht allein im Wohnzimmer, sondern auch in Küche und Bad verlegt werden kann.

Die neueste Innovation Vinylan macht sogar den Holzfußböden in ihrer ureigenen Domäne, Dekor und Oberflächenstruktur, Konkurrenz. Die Kunststoff-Holzdekore lassen sich vom originalen  Holzdekor kaum unterscheiden. „Mit seinen vielfältig strukturierten Oberflächen ist es ein Kunstwerk moderner Wohnkultur“, beschreibt Ziro, einer der führenden Hersteller seinen Designvinylboden.

Antike Holznachbildungen, aktuelle Modehölzer oder auch Natursteindekore – jede Faser, jede Pore der Oberfläche lässt sich erfühlen. Über die sinnliche Wahrnehmung erscheint der Kunststoff wie ein Naturstoff.

Gesetzliche Auflagen für hochwertige Vinylböden

Lange Zeit lediglich als Bahnenware erhältlich, werden Vinylbodenbeläge nun auch in handlichen, dreischichtigen Fertigdielen angeboten. Neu auf dem Markt ist eine über zwei Meter lange Vinyldiele, mit deren großzügigem Bodenbild kleinere Räume größer wirken.

Hochwertige Vinylböden unterliegen heute in Deutschland hohen gesetzlichen Auflagen und beinhalten keine gesundheitsgefährdenden Weichmacher mehr. Bei Böden, die außerhalb der EU produziert wurden, empfiehlt sich in diesem Punkt vor dem Kauf eine Prüfung.

Ein anderer Trendsetter hat seinen Weg aus der Kälte der  Industrieanlagen in die Wohnräume gefunden: Estrich. Ursprünglich in Fabriken und Industriehallen, sowie im Hausbau als Unterboden verlegt, ist Estrich zu einem szenigen Bodenbelag mit modernem Industrie-Chic geworden.

Seine Qualitäten: leicht und fugenlos verlegbar, überaus strapazierfähig, pflegeleicht, für Fußbodenheizungen geeignet. Allerdings sollte Estrich auf jeden Fall professionell eingebaut werden, um zu gewährleisten, dass er später nicht schwindet oder reißt und optimale Trittschall- und Wärmedämmung bietet.

Um aus dieser naturhaften Verbindung aus Mörtel und Bindemitteln einen dekorativen Bodenbelag zu machen, sollte allerdings die Oberfläche behandelt werden. Schleifen, polieren und zum Abschluss eine Beschichtung, die meistens aus speziellen Ölen besteht, jedoch auch aus Kautschuk, Latex oder Leder sein kann.

Matt oder glänzend, transparent oder in leuchtenden Farben – am Ende verbreitet Estrich stets einen extravaganten Loft-Charme, indem er die raue industrielle Produktionswelt in eine Wohnwelt umformt, in der Ursprünglichkeit und Moderne zu einer neuen Wirklichkeit verschmelzen. Beim Holz ist diese Symbiose ein Bestandteil der Kulturgeschichte des Wohnens.

Vom Palast in die Bürgerhäuser: Parkett

Bereits im 13. Jahrhundert wurden Bohlen mit der Hand aus der Mitte der Baumstämme herausgeschnitten und oft noch über gestampfte Lehmböden verlegt. Später kamen gehobelte Dielen hinzu. Beide behaupteten sich als natürlicher Bodenbelag durch die Jahrhunderte.

Sie sind hygienisch, pflegeleicht, langlebig, abschleifbar, fußwarm und verbessern das Raumklima, weil sie als Naturstoffe die Feuchtigkeit regulieren. Ob Langholzdielen, Kurzholzdielen, Dielen aus Massivholz oder mehrschichtige – gehobelte, mit der Hand bearbeitete Dielen sind immer noch trendig und stilvoll – zeitlos modern.

Veredelt und geradezu zum Kunstobjekt wurden die Dielen im 17. Jahrhundert durch die Erfindung des Tafelparketts. Damals nur für Herrscherhäuser, Familien- oder Geldadel erschwinglich, hielt das Parkett durch die industrielle Massenfertigung im 19.Jahrhundert seinen Einzug in die Bürgerhäuser, wo es seither in zahlreichen Holzsorten wie Ahorn, Birnbaum, Birke, dunkel, hell oder ins Rötliche spielend seinen herausgehobenen Platz behauptet.  Einschichtig oder mehrschichtig, als Massiv- oder Tafelparkett, Ein-Stab-Parkett, Fischgrätparkett oder mit Flechtstruktur – das Parkett besteht aus massiven Hartholzelementen oder mit Hartholz furniertem Weichholz. Die lange Lebensdauer und die in den 60er Jahren entwickelte Oberflächenbehandlung mit Ölen und ökologischen Lacken haben das Parkett darüber hinaus zu einem sehr umweltfreundlichen Bodenbelag gemacht.

Holz ist schön, aber Holz hat auch seinen Preis, der nicht für jeden erschwinglich ist. Laminat ist eine Alternative, die inzwischen auch interessante Dekore anbietet. Dielen mit hellen Holznachbildungen erreichten Mitte der Achtziger Jahre aus Skandinavien kommend Europa. Dieser Bodenbelag setzt sich aus einer Trägerschicht und einer Dekorschicht zusammen. Die Oberfläche wird in der Regel mit Melaninharz versiegelt.

Laminat ist hitze- und lichtresistent, pflegeleicht und für eine Fußbodenheizung geeignet. Durch seinen Fertigungsprozess (die Schichten werden bei hohen Temperaturen unter hohem Druck zusammengepresst) wird es überdies äußerst strapazierfähig. Freilich hört man auf ihm sehr gut seine eigenen Schritte, so dass es sich empfiehlt, es mit einer Trittschalldämmung zu verlegen.

Neben den glatten Oberflächen der ursprünglichen Form, wird inzwischen auch strukturiertes Laminat produziert, das sich nicht nur beinahe wie echtes Holz anfühlt, sondern auch so aussieht.

Über die Fortschritte in Technologien und Produktionstechniken haben moderne Werkstoffe sich als Fußbodenbelag neben dem traditionellen Holz emanzipiert. Dabei ist eine Fußbodenkultur entstanden, die den Teppich keineswegs verdrängt, sondern selbstbewusst in einen neuen Dialog mit ihm tritt.

 

Fotoquelle Titelbilder: ZIRO


Philipp_LeymannDer Expertentipp

Bodenbeläge bestimmen ganz wesentlich den Charakter eines Hauses. Einmal verlegt, bilden sie für lange Zeit eine Komponente für stimmige Inneneinrichtungen. Darum sollten Bauherren sich genügend Zeit nehmen für die Wahl Ihres Bodenbelages.
Auch für den Bauplaner ist es wichtig zu wissen, welche Materialen zum Einsatz kommen, damit  eine durchgehende Belagshöhe gewährleistet ist.
Ob Echtholz, Fliesen, Laminat, Kork oder Vinyl, in jedem Fall ist eine gute Beratung der erste Schritt zur guten Wahl.
Fußböden sind Einstellungssache. Für den einen kommt nur Echtholz in Frage, andere schätzen die Strapazierfähigkeit und optische Vielfalt z.B. von Vinyl.

Um lange Freude am schönen Fußboden zu haben, empfehle ich immer eine Beratung im Fachhandel. Auf keinen Fall sollte man einen Belag wählen, ohne sich einen Eindruck von Optik und Haptik zu verschaffen.

Philipp Leymann
www.leymann-baustoffe.de

pbla275f3_para
pbva043f2_paraPuristische Architektur und Einrichtung erhält durch warme Holztöne eine behagliche Komponente.
Fotoquelle: Parador