Die Kunst, aus einem Kompromiss eine neue Qualität des Hauses zu entwickeln.

Ein Rechteck passt nicht in ein gleichgroßes Quadrat. Wo die Geometrie ihre Grenzen hat, fängt die Vorstellungskraft an. Anschließend entwickelt die Kunst der Variation, was als Kompromiss beginnen musste, zu einer neuen Lösung mit unerwarteten Qualitäten. Und am Ende stand das präzise nach Lichteinfall und Raumnutzung auf ein langes, schmales rechteckiges Grundstück zugeschnittene Haus tatsächlich auf einem nahezu quadratischen Grundstück.

„Alles war gezeichnet und berechnet. Wir hätten sofort loslegen können“, erinnert sich Carolin Hinz, Architektin bei WABE-Haus in Worphausen, an die Baugeschichte. „Wir hatten das Grundstück und hatten auch schon fast die Küche gekauft“, erzählt die Bauherrenfamilie Vauth. Die Architektur entsprach genau dem, was sie sich gewünscht hatten, die Räume passten perfekt zu dem vorgestellten Leben im neuen Haus.

Und dann löste sich der Wohntraum in Luft auf: Ein Einspruch gegen die Bebauung in letzter Minute. Und das in Worpswede, wo allein die Grundstückssuche schwierig genug ist. Erstens weil Grundstücke rar sind und zweitens weil sie nach Vorschrift der Gemeinde für eine Bebauung mindestens 1600 Quadratmeter groß sein müssen. In diesem Fall kam noch hinzu, dass das virtuell bereits erbaute Haus in das neue Grundstück hineinpassen sollte.

„Ich hab da gerade etwas reingekriegt, das ist genau das, was Sie suchen“, sagte die Maklerin. Ein Grundstück an einem Hang am Weyerberg. Entstanden aus den Flächen, um die zwei Nachbarn ihre Grundstücke verkleinern wollten – gerade 1600 Quadratmeter groß. Ein idealer Platz – jedenfalls sobald über die Vorstellungskraft die jahrlang gewucherte Botanik geräumt worden war. Doch es war nahezu quadratisch.

„Und dann“, erzählt Stefanie Vauth, „sind wir mit dem neuen Grundstücksplan und dem Bauplan zu Frau Hinz gegangen und haben gefragt: Können Sie unser Haus da reinbauen?“ Die Kunst der Variation begann. „Wir haben dann am Baukörper etwas gestaucht“, sagt Architektin Hinz. „Das Volumen aber ist erhalten geblieben.“ Dadurch, dass es sich ein bisschen zusammengeschoben hat, sei sogar etwas Positives entstanden. Der Terrassen-Innenhofbereich sei noch mehr herausgearbeitet worden, im Ankleidebereich hätten sich neue Lösungen ergeben. Es war das Haus geworden – oder auch geblieben, in dem sich die Bauherren über die 3D-Projektion auf dem Computer schon heimisch gemacht hatten. Vor allem aber: Es war aus Holz! „Mein Mann ist ja eher einer, der sagt, Stein auf Stein, das war immer so und das ist gut“, erzählt Stefanie Vauth, „aber als wir das erste Mal in einem Holzhaus gewohnt haben, da haben wir doch den Unterschied gespürt. Die Luftfeuchtigkeit, die Akustik, der Duft…“

Das war in der Schweiz, in einem 400 Jahre alten, frisch restaurierten Bauernhaus gewesen. Und als Jochen Vauths Arbeitsstandort wieder einmal und dieses Mal nach Bremen verlegt worden war, saßen sie, beinahe möchte man sagen „logischerweise“ eines Tages Stefan Wasser gegenüber, einem Mann, der aus Liebe zum Holz Zimmerer wurde und das Unternehmen WABE-Haus gegründet hat. Unter dem Motto: „Holz ist unsere Leidenschaft.“

Für die im Unternehmen angestellte Architektin Carolin Hinz ist es ein Teil ihres Lebens. Wohnen im Holzhaus, der Geruch von Holz gehören für sie zum Kindheitsglück. Ihr Großvater war Holzeinkäufer für ein großes Unternehmen. „Nach dem Studium bin ich gleich in den Holzbau eingestiegen“, erzählt sie.

„In den Anfangsjahren mussten wir immer noch eine Lanze für das Holz brechen“, erinnert sich Carolin Hinz, „doch inzwischen hat sich der Holzrahmenbau vollkommen etabliert. Nicht zuletzt dieser Bauweise haben Stefanie und Jochen Vauth es zu verdanken, dass ihr Grundstücks-Dilemma problemlos gelöst werden konnte. „Holzrahmenbau ist statisch sehr flexibel, weil wir keine durchgehenden tragenden Wände brauchen, sondern immer mit Stützlasten arbeiten“, erklärt die WABE-Architektin.

Als eine interessante rechteckige Form liegt das in der klaren Linienführung des Bauhaus-Stils errichtete Haus nun eingebettet in einem bewaldeten Areal. Die Holzverkleidungen vor dem weißen Rauputz der Außenwände, die Schiebeläden aus Lärchenholz vor den Fenstern weisen auf die Verwandtschaft zwischen dem tragenden Baukörper und den acht Eichen auf dem Grundstück hin.

Im Inneren findet die Ästhetik ihre Fortsetzung in moderner Haus-, Sicherheits- und Energietechnik. Fußboddenheizung, Belüftungssystem mit Wärmerückgewinnung, Dreifachverglasung. Mit einem KfW-Haus 70 hatten die Bauherren gerechnet. „Und auf einmal“, sagt Stefanie Vauth, „war es ein KfW-40-Haus.“

„Und auf einmal war es ein KfW-40-Haus!“

Der zentrale Raum im Erdgeschoss ist die großräumige, elegante Wohnküche. Von dort kann man um einen imaginären Mittelpunkt von Raum zu Raum die vier Seiten des Hauses abschreiten, bis man wieder in der Küche anlangt. Eine Treppe mit Eichenholzparkett – wie der Fußboden – führt ins Obergeschoss, wo die drei Kinder ihre Räume haben.

Und während sie durch das Haus geht, fragt Stefanie Vauth „riechen Sie das auch?“ Natürlich. Jeder riecht es beim Betreten des Hauses. „Manchmal komme ich nach Hause und denke…“ Sie bricht ihren Satz ab, weil sich dieses Aroma von Schwebstoffen in der Atmosphäre nicht ausdrücken lässt.

In genau diesem Augenblick würde Stefan Wasser, der das Haus gebaut hat, von dem Lächeln der Mona Lisa erzählen, denn dieses Lächeln ist sein Gleichnis für die geheimnisvolle Wirkung von Holz auf die Atmosphäre in einem Haus: Obwohl jeder das Geheimnis deutlich spürt, kann er es doch nicht mit einem Begriff erklären.

 

Fotos: LightUp Studios



Die elegante Wohnküche im Erdgeschoß ist der zentrale Raum des Hauses. Von hier kann man um einen imaginären Mittelpunkt von Raum zu Raum gehen und kommt schließlich wieder in der Küche an.

WaBe-Haus – Wasser & Behrens GmbH

Stefan-Wasser

„Holz ist unsere Leidenschaft“ lautet das Motto des von Stefan Wasser 1998 gegründeten Unternehmens. Holz bedeutet: Im Einklang mit der Natur. Jedes WaBe-Haus ist ein Unikat. Auf die Wünsche der Bauherren zugeschnitten,
entstehen individuelle Energiesparhäuser.
 

WaBe-Haus – Wasser & Behrens GmbH– Worphauser Landstraße 20 b – 28865 Lilienthal – Telefon 04208 919958-0
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