Neues Leben in den Innenstädten. Die mobile Gesellschaft schafft ihre eigenen Wohnquartiere, die der erhöhten Flexibilität im Erwerbsleben gerecht werden.

Ein Bürohaus in der Bremer Innenstadt soll in ein Boardinghouse umgewandelt werden. Was als nüchterne Nachricht erscheint, ist in Wahrheit ein Zusammenfluss dreier unterschiedlicher Zeitströmungen, die sich in diesem Projekt konkretisieren. Mobilität, Flexibilität, Revitalisierung von Innenstädten.

„Das Boardinghouse ist eine Wohnform, die am Markt gesucht wird“, erklärt Patrick Denker. Er ist einer von drei Geschäftsführern der Bremer Architekten-Gemeinschaft GMD, die dieses Bürohaus in der Faulenstraße in ein modernes Wohnquartier umwandeln will. Zu einem Zuhause auf Zeit für Pendler, Menschen, die arbeitsbedingt unterwegs sind, Geschäftsleute, Handlungsreisende, Lehrkräfte an Universitäten, Handwerker und Ingenieure auf Montage…

Geplant sind in dem Wohn- und Geschäftshaus mit einer Gesamtfläche von etwas mehr als 3000 Quadratmetern 54 Kleinraumwohnungen. Voll ausgestattete Mini-Apartments zwischen 40 und 50 Quadratmetern mit Bad, kleiner Küche, Umkleidenische und integriertem Schlaf-Wohnbereich. Im Erdgeschoß eine Gastronomie, das Kellergeschoß als Tiefgarage mit zwei Ebenen.

Für die Architekten von GMD, die in der Überseestadt zu Hause sind, ein Glücksfall, „denn innerstädtische Grundstücke sind extrem schwierig zu bekommen oder nur mit großem Aufwand umzunutzen“, erklärt Patrick Denker. Hinzu kommt ein weiteres, mitunter unüberwindbares Hindernis: Der Bebauungsplan.
Doch in diesem Punkt kreuzt sich das Interesse der Architekten mit dem der Stadt. „Um das Wohnen in bisher als Kerngebiet festgesetzten Bereichen der Innenstadt zu ermöglichen, werden momentan die noch bestehenden Bebauungs-pläne überarbeitet“, schreiben Bausenator und Wirtschaftssenator gemeinsam zu der Studie „Umwandlung von Büroimmobilien in Wohn-raum“ zu dem Konzept „Bremen Innenstadt 2025“.

Nach diesem Konzept soll „im Immobilienstand nach zeitgemäßen und zukunftsfähigen Wohnungen“ gesucht werden. Zielvorstellung: Bis zum Jahr 2020 den Anteil der in der Innenstadt lebenden Menschen um zehn Prozent zu steigern. Aus der geplanten Verbindung von Erwerbsleben und urbanem Wohnen soll eine neue soziale Durchmischung hervorgehen, denn „nicht nur für die einkommensstarken Gruppen, sondern für
alle Bevölkerungsschichten soll Wohnen in der Innenstadt in allen Lebensphasen und -formen möglich sein“, heißt es in der Studie.

Sie ist nicht zuletzt eine Reaktion auf den anhaltenden Trend, dass es die Menschen zurück in die Städte zieht. In eine Infrastruktur der kurzen Wege, in die Nähe von Kultur- und Freizeitangeboten, in eine größere Nähe zum Arbeitsplatz, einhergehend mit geringeren Fahrtkosten und der Unabhängigkeit vom Auto. Gebraucht würden „innovative und attraktive Gebäudetypologien“ – ein Stichwort, das in Verbindung mit der Studie „Bremen Innenstadt 2025“ die Architekten von GMD zur Tätigkeit aufrief.
Die Straßenbahn vor der Haustür, eine Viertelstunde bis zum Flughafen, zehn Minuten bis zum Hauptbahnhof, mit dem Auto in wenigen Minuten auf den Autobahnen A1 und A27. Verkehrsgünstiger kann ein Boardinghouse als Zuhause auf Zeit für Berufstätige mit mobilen Arbeitsplätzen oder Arbeitsweisen nicht liegen.

„Hinzu kommt, dass die Skelettbauweise des Gebäudes ideale bauliche Voraussetzungen für eine Umnutzung in Wohnraum schafft“, erklärt Patrick Denker. Tragende Decken, die durch das ganze Gebäude laufen, Unterzüge und Stützen bilden eine ideale Tragestruktur, die dem Architekten-Team „große Freiheit und maximale Flexibilität bei der Gestaltung der Wohnräume“ eröffnet.

Immobilien mit Leerstand zu revitalisieren ist freilich keine leichte Aufgabe. „Also müssen wir auch etwas an der äußeren Erscheinung ändern“, erklärt Denker. „Da die gesamten Außenflächen statisch nicht erforderlich sind, wird die vorhandene Klinkerfassade vollständig zurückgebaut.“

Wo sich jetzt noch eintönige, lange Fensterreihen durch eine rote Klinkerfassade ziehen, sollen einmal Wohnwürfel hängen, die als Stilelemente mit ihrer Mischung aus Technik, Urbanität und Ästhetik der Fassade Eleganz und Modernität verleihen. Die Würfel sind jedoch nicht nur ein Stilelement, sondern auch erweiterter Wohnraum.

Hier kann man an einem kleinen Tisch im Sessel sitzen und durch das große Fenster auf das Straßenleben unter sich blicken, die Faulenstraße hinunter bis zum Brill. An den Seiten zur Straßenfront und nach hinten sind die Kuben mit einem anthrazitfarbenen Blech geschlossen. Privatheit mitten im städtischen Leben.
„Im Erdgeschoss denken wir an eine Gastronomie, wo sich die Bewohner des Boardinghouses morgens auf dem Weg zur Arbeitsstätte ihre Brötchen und ihren Kaffee holen können“, erklärt Denker. Und auf den beiden Parkebenen im Untergeschoß, so Denkers Vorstellung, lasse sich neben den Abstellplätzen für das Auto im Sinne der Green Mobility auch eine E-Bike-Station einrichten.

Ein Wohnkonzept für eine moderne Metropole. Eine neue Erfindung allerdings ist das Boardinghouse nicht. In den USA und in Metropolen Europas ist es längst eine Antwort auf die Zeitströmungen Flexibilität, Mobilität und Revitalisierung von Innenstädten.

Fotoquelle: GMD Architekten

Faulenstr-Foto

Metamorphose im Strom der Zeit. Ein Bürohaus mit Bürohausfassade in der Bremer Innenstadt soll seine Umnutzung zu einem Wohn- und Geschäftshaus mit moderner Architektur erfahren. 54 Kleinraumwohnungen für Mieter auf Zeit. Im Erdgeschoß ein Restaurant, im Keller Abstellplätze für Autos.150225---Ausschnitt-1_100,-150x150mm

150225---Ausschnitt-1_200,-210x150mmApartments klein, fein, und es fehlt an nichts. Eine geschickte Architektur ermöglicht es, auf kleinstmöglichem Raum ein komplettes Wohnprogramm zu realisieren.

GMD Architekten GmbH

 

GMD+LogoGMD – ein Triumvirat der Ideen und ihrer Verwirklichung. Seit Februar 2014 sind die Architekten Patrick Denker, Nico Grashoff und Lars Müller ein Team. Ihr Leistungsbild umfasst die Projektentwicklung mit Kombination der Faktoren Standort, Kapital und Projektidee. Kompetent in allen Phasen von der Beratung und Planung, bis zur Überwachung und Übergabe.

GMD Architekten GmbH – Schuppen 1 – Konsul-Smidt-Strasse 12, 28217 Bremen – Telefon 0421 36513651
www.gmd-architekten.com