Bei der Ideentischlerei Sandkuhl gehören Möbel und Raumideen zusammen


„Wir bleiben breit aufgestellt, von der Reparatur eines Stuhls bis zum Innenausbau von Jachten.“ Als Carsten Wichmann zum Jahresbeginn 2013 die Traditionstischlerei Sandkuhl übernahm, war seine Antrittsrede ein Versprechen. Der Kurs des auf Inneneinrichtung spezialisierten Handwerksbetriebes würde fortgesetzt werden. Der Betrieb Sandkuhl sollte Sandkuhl bleiben, wie er über sechs Jahrzehnte zu Sandkuhl geworden war: Eine „Ideentischlerei“. Wichmann wusste, wovon er sprach. Vor 32 Jahren war er in die Firma als Tischlerlehrling eingetreten, ausgebildet von Hans-Hermann Sandkuhl, der ihm an diesem Tag das Unternehmen übergab.

Eine Ideentischlerei, orientiert an Raumkonzepten und modernen Designs auf der traditionellen Basis des Handwerks, war 1948 für Helmut Sandkuhl bei der Gründung des Familienbetriebs noch undenkbar. Im Geburtsjahr der Deutschen Mark war die eigene Tischlerei an sich schon eine große Idee, die er später seinem damals zwei Jahre alten Sohn Hans-Hermann vererbte.

Carsten Wichmanns Vater vererbte als Stahl- und Betonbaumeister seinem Sohn die Liebe zum Handwerk. „Und ich liebte Holz“, erzählt Wichmann, „wie es riecht, wie es sich anfasst. Für mich gab es als Junge nur einen Beruf: Tischler.“

Design, die Gestaltung von Innenräumen entwickelten sich im Laufe der Jahre über das Handwerk. „Lernen mit Augen und Ohren“, sagt er. „Zusehen, wenn andere etwas machen und wie sie es machen – das ist mir als Handwerkersohn von Kindheit an bei-gebracht worden. Da sieht man, wie schöne Dinge gebaut und geformt werden können.“

Diese persönliche Erfahrung findet sich im Firmenmotto wieder: „Über die Möbel ein Stück Zuhause schaffen.“ Das funktioniert jedoch nur, wenn man die Wünsche, den Geschmack, das Lebensgefühl des Auftraggebers so gut versteht, als wären es die eigenen. In jedem Möbelstück, in jedem technischen Kunstgriff bei der Gestaltung, in jeder Raumidee steckt deshalb, wie er bekennt, „auch etwas von mir selbst“.

Bei dem Bauprojekt, das er in enger Zusammenarbeit mit Wildeshauser Architektin Imke Hillmann realisiert hat, erfährt man, was er damit meint. Es beginnt bereits an den Außenwänden, wo der ruhige Honigton des Holzes vom Farbspiel der gebrannten Kohleklinker mit seinen lehmfarbenen Einschlüssen aufgenommen und im spannungsvollen, dabei harmonischen Zusammenklang lebendig wird.

Die Entwicklung moderner Designs aus unterschiedlichen Hölzern, oft verbunden mit der Vielfalt in Fläche und Farbe des mineralisch-organischen Werkstoffs
Corian, ist ein Erbe jener Jahre, als die Tischlerei Sandkuhl mit einem namhaften Bremer Architekten zusammenarbeitete. „Da hab ich viel gelernt“, sagt er. „Wie Design funktioniert. Über Formgebung und Wirkung. Auf kleinste Details zu achten.“ Den Nachsatz dazu spricht der Tischlermeister: „Aber dabei nie die Funktionalität vergessen.“

Wohnmöbel, Objektmöbel, Küche und Bad, Bauelemente, Möbelplanung für offene und geschlossene Räume, Dachschrägen – bei dem Haus in der Straße seiner Kindheit war das gesamte Portfolio der Ideentischlerei gefragt.

Nach dem Grundgedanken „offenes Wohnen“ gehen im Erdgeschoss sämtliche Räume ineinander über, jeder mit seiner eigenen Blickachse auf den Garten. Und doch ist jeder Raum auch ein Raum für sich, ein Molekül, das sich mit den anderen Molekülen zu einem organischen Ganzen verbindet. Da bewährte sich die enge Zusammenarbeit und der Ideenaustausch mit der Architektin Imke Hillmann mit ihrem Grundsatz, schon in ihre frühesten Überlegungen die Wünsche des Bauherrn hinsichtlich der Inneneinrichtung einzubeziehen. Nischen zum Beispiel, aus denen Nutzflächen werden, Wandscheiben, die einen Schrank aufnehmen können.

„Es macht einfach Spaß, solche Raumideen zu lösen“, sagt Wichmann. Aus Geometrien entstehen optische Reize. Spannungsfelder in Symmetrien, die sich über die Räume zu einem Lebensgefühl ordnen. Dahinter steht eine Kette einzelner Berechnungen, die am Ende in einer Gleichung von mathematisch-logischer Schönheit aufgehen müssen: Wo liegen und wie verlaufen die Leitungen? Wo kommen die Steckdosen hin? Wie versteckt man eine Schiebetür, mit der sich je nach Situation und Wunsch Blickachsen öffnen und schließen lassen? In einer Wand natürlich. Und wo werden Sicherungskästen, die Haustechnik untergebracht? Hinter Regalen oder auch in einer Nische, die gleichzeitig unauffällig eine Garderobe beherbergt.

„Keine Linienführung ist dem Zufall überlassen“, sagt Wichmann und erklärt die Bedeutung, schon bei der Planung so intensiv mit dem Architekten zusammenzuarbeiten wie bei dem Haus mit Imke Hillmann. „Oft werden wir als Tischler und Inneneinrichter erst hinzugezogen, wenn der Rohbau fertig ist. Dann steht man vor vollendeten Tatsachen – und die Kompromisse fangen an.“ Genauer gesagt: Die Arbeit am Kompromiss, der sich dann im besten Fall zu einer eigenständigen neuen Form entwickelt.

Aus der Not eine Tugend machen, wie es der Architektin Hillmann bei dem Gebäude selbst gelang, dessen ursprüngliche Form mit Flachdach und Putzfassade nicht genehmigt wurde. Nun aber passt es sich den Häusern in der Umgebung harmonisch an und ist trotzdem das Zuhause geworden, wie der Bauherr es sich wünschte.

 

Fotos: Jens Lehmkühler

Bei der Inneneinrichtung des Hauses ist nichts dem Zufall überlassen. Architektin, Inneneinrichter und Bauherren hatten konkrete Vorstellungen bis ins Detail. So entstanden klare Linienführungen und optimale Raumnutzung.

Das offene Raumkonzept mit durchdachten Sichtachsen ist so konzipiert, dass jeder Raum durch intelligente Lösungen zur geschlossenen Einheit wird.

H. Sandkuhl GmbH

Carsten Wichmann ist Tischlermeister und Geschäftsführer der Ideentischlerei Sandkuhl. Mit nahezu 40 Mitarbeitern vereint der Betrieb Handwerk, Kreativität und Planung zu individuellen Raumkonzepten.
 

H. Sandkuhl GmbH – Dehlthuner Straße 55 – 27777 Ganderkesee – Telefon 04222 9213-0
www.die-ideentischlerei.de