Im Stephani-Viertel vermischt sich modernes Wohnen mit historischer Architektur


Gelegentlich passt ein Bild der Zukunft auf einen Bierdeckel. Ein Abend vor vier Jahren in einem Berliner Hotel. Der Bremer Architekt Thorsten Italiano und sein Team diskutieren ihre Planung eines Wohnhauses auf einem Grundstück, das von der Faulenstraße zum Stephanikirchhof hinunterreicht. Vier Meter den Hang der Düne hinunter, auf der vor 900 Jahren zum ersten Mal eine Wohnsiedlung entstand.

Leben am Hang! Über der Weser, Blick auf die Stephani-Kirche. Versuchungen entstehen immer in der Vorstellung. Und wenn sie selbst … Oben am Hang das Wohnhaus mit den geplanten 19 Eigentumswohnungen und darunter, in den Hang hineingebaut und beinahe in ihm verschwindend, ein Ateliergebäude – ihr neues Büro. Und da gute Ideen keinen Aufschub dulden, musste für den ersten Entwurf am Tisch ein Bierdeckel herhalten.

„Als wir damals die Möglichkeit bekamen, durch den Erwerb dieses Areals einen Teil des Gebietes neu zu planen, haben wir es sofort als eine große Chance erkannt“, erklärt Geschäftsführer Thorsten Italiano und blickt aus seinem neuen Büro am Hang auf das neue Wohnhaus an der Faulenstraße, einheitlich aus rotbraunem Klinker, mit weißen Fensterrahmen. Gegenüber, kaum hundert Schritte entfernt, der Kirchturm von St. Stephani. Ein Stück Bremer Stadtgeschichte, aus dem Baugeschichte wurde.

Nun wird ein neues Kapitel hinzugefügt: Modernes Wohnen in einem historischen Quartier. Anfang der Fünfziger Jahre war das Stephani-Viertel bei seinem Wiederaufbau als geschlossene Nachbarschaftssiedlung selbst ein Stück „Nachkriegsmoderne“. Bei den Luftangriffen im 2. Weltkrieg war das alte Quartier mit seinen engen Gassen und hohen Packhäusern an der Nahtstelle zwischen Altstadt und den Seehäfen nahezu vollständig zerstört worden.

Ein neuer Lebensraum, der nicht als spontane Vision auf einem Bierdeckel entstand, sondern auf dem Reißbrett nach dem Muster eines organisch-einheitlichen Wohnquartiers aus einem Guss. Aus einem Guss und ein wenig isoliert vom Leben in der City, weil es durch die Bürgermeister-Smidt-Brücke einige hundert Meter stadteinwärts vom allgemeinen Verkehrsfluss abgeschnitten war und durch die neue Hochstraße Stephanibrücke auch von den Häfen getrennt.

„Wohnen und Arbeiten in einem lebendigen Viertel auf historischem Grund.“

 

Nach und nach wurde durch die Entwicklung der Überseestadt und der neuen Verbindung Eduard-Schopf-Allee, durch die Nachbarschaft des neuen Funkhauses von Radio Bremen und ein Stephani-Entwicklungskonzept aus dem, was jahrelang „außen vor“ war, wieder „mitten drin“. Im Leben der City. „Die Idee der Verbindung von Wohnen und Arbeiten im Stephani-Viertel stellt den Grundgedanken des Projekts dar“, sagt Thorsten Italiano.

Das neue Gebäude Faulenstraße 108 entsteht zwischen zwei Bestandsgebäuden und gliedert sich in zwei Häuser mit getrennten Treppenhäusern und Aufzügen. Im Hang der ehemals Steffensberg genannten Geesterhöhung über dem Weserufer befindet sich eine gemeinsame Tiefgarage mit PKW-Stellplätzen und Abstellplätzen für Fahrräder.

In ihrem Erscheinungsbild fügen sich die neuen Häuser dem alten gewachsenen Viertel ein, rotbrauner Klinker mit glatter Oberfläche, weiße Fenster, Türrahmen und Balkonbrüstungen, das matt-dunkelgraue Dach. Allein die großzügigen Gauben im Dachgeschoss geben der Straßenansicht ihr modernes Gesicht.

Von der Rückseite mit ihren Balkonen und Terrassen blickt man auf das Wahrzeichen des Viertels, die Kulturkirche St. Stephani, und vom ersten Obergeschoss sieht man schon die Weser. Vom Dachgeschoss gibt es einen nahezu unverbauten Blick über die Dächer auf Kirche und Strom.

Die Stadtwohnungen bieten auf Flächen von 50 bis 87 Quadratmetern raffinierte Grundrisse mit zwei bis drei Zimmern, in die durch bodentiefe Fenster mit Dreifachverglasung das Licht einfällt. Über die Liftanlage sind sämtliche Wohneinheiten barrierefrei zu erreichen. In den Wohnungen selbst bilden der hochwertige Designfußboden, Feinsteinzeug und Steingutfliesen im Wohn- und Sanitärbereich und nicht zuletzt der Anschluss mit Breitbandkabel innere Werte. Das Preisspektrum reicht von 258.000 Euro für eine Zwei-Zimmer-Dachgeschosswohnung bis zu 393.000 Euro für eine Dreizimmerwohnung im Erdgeschoss.

„Wer uns in unserem Büro besuchen will, braucht einen Moment der Orientierung. Der langgezogene Büroriegel ragt schließlich nur einen Meter aus dem Boden“ sagt Thorsten Italiano. Hier arbeiten elf Mitarbeiter in einem trotz der Ausrichtung nach Norden durch Oberlichter und Glaswände lichtdurchfluteten Raum. Die Wirkung der über drei Meter langen Betonplatten auf dem Dach vergleicht der Architekt gern mit einer Landebahn für Flugzeuge. Nicht von ungefähr. Wo die Ideen abheben sollen, müssen sie auch wieder sicher auf den Boden kommen.

 

Fotos: Rainer Geue | Torsten Krüger | Planungsbüro Italiano


Transparenz und Großzügigkeit des Raumkonzeptes bestimmen die familiäre Atmosphäre im Ateliergebäude.

Eine gelungene Verbindung von Alt und Neu. Von der Bürgermeister-Smidt-Brücke aus zeigt sich das Stephani-Viertel als Bindeglied zwischen der City und der Überseestadt.

PLANUNGSBÜRO ITALIANO GMBH

Dipl.-Ing. Thorsten Italiano ist Geschäftsführer von PBI Planungsbüro Italiano. Mit seinem elfköpfigen Team zog er 2019 von Schwachhausen ins Stephani-Viertel. Ein Schwerpunkt des Architekturbüros liegt in der Projektentwicklung für Neubau und Sanierung von Wohn- und Gewerbebauten.
 

PLANUNGSBÜRO ITALIANO GMBH – Stephanikirchhof 7 A – 28195 Bremen – Telefon 0421 62658888
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