Bei der Klostermühle Heiligenberg erscheint das Traditionelle in moderner Form – von der Architektur bis zur Speisekarte.


„Die Klostermühle…“, sagt Juliane Brüning und ihr Blick wandert über das Mühlengebäude im Talgrund mit seinen in das Fachwerk des roten Ziegelsteingemäuers hineingesetzten Fenstern, den Mühlteich, die Weide, „…die Klostermühle gehört einfach dazu.“

Von einer Wildblumenwiese gesäumt, führt ein Weg von der Mühle auf den Heiligenberg hinauf, wo sie mit ihrer Mutter Adelheid das „Forsthaus Heiligenberg“ betreibt, Hotel, Restaurant, Tagungsstätte. Der älteste Teil des Grundstücks, auf dem das Forsthaus steht, ist ein dreißig Meter tiefer Brunnen zu einer durch den Berg verlaufenden Wasserader. Unten am Hang fließen die Bäche Eyter und Dille im Mühlteich zusammen und von dort zum Mühlrad.

Aus dem ehemaligen Kloster Heiligenberg bei Bruchhausen-Vilsen hervorgegangen, sind Forsthaus und Mühle geologisch und geschichtlich seit Jahrhunderten miteinander verbunden – und seit zwei Jahren auch betriebswirtschaftlich. 2016 begannen Adelheid und Juliane Brüning mit dem Umbau der denkmalgeschützten Klostermühle, ein Jahr später wurde sie als Gastronomiebetrieb mit einem kleinen Hotel neu eröffnet. Die Alternative wäre wohl der langsame Verfall des alten Mühlengebäudes aus dem Jahr 1785 gewesen, in dem vor fünfzig Jahren zum letzten Male Korn zu Mehl gemahlen wurde.

Die Mühle zu bewahren, war ein naheliegender, jedoch kein leichter Weg. Denkmalschutz, Naturschutz, Artenschutz, moderne Funktionalität, Ästhetik und nicht zuletzt Wirtschaftlichkeit mussten miteinander vereinbart werden. An der historischen Mühlenfassade durfte und sollte nichts verändert werden, drinnen aber wurde die Mühle vollständig entkernt. Am Ende stand nur noch das tragende Gerippe des Balken- und Mauerwerks.

Fachwerk musste ersetzt, Gebälk ausgewechselt, Mauerwerk erneuert werden. Und dann die Feuchtigkeit in den Räumen! Seit ewigen Zeiten drückte das Wasser vom Mühlteich gegen das Gemäuer. Wer heute auf der neu angelegten Terrasse über den idyllischen, hier und da von den Rücken alter Karpfen gekräuselten Mühlteich blickt, ahnt nicht, dass er auf einer Art Staumauer sitzt, denn die Terrasse schirmt nun das Mauerwerk gegen den Wasserdruck und eindringende Feuchtigkeit ab.

Wo über gut 200 Jahre der Müller mit Familie und Gehilfen wohnte, sind jetzt im Erdgeschoß Gasträume entstanden und eine große offene Küche mit angrenzender Spülküche. Wer die Holztreppe nicht gehen kann oder mag, kann einen Lift ins obere Stockwerk nehmen. Das gesamte Gebäude ist barrierefrei. Im oberen Stockwerk wartet ein großer, lichtdurchfluteter Raum auf kleine Gesellschaften, Tagungsgäste oder Besucher der ständig wechselnden Kunstausstellung.

Die Architektenkammer Niedersachsen wählte die denkmalgeschützte Klostermühle für den „Tag der Architektur 2018“ aus, an dem die Bevölkerung alljährlich freien Zugang zu besonderen Gebäuden hat.

„Wir haben bewusst überall mit ursprünglichen Materialien gearbeitet, die zum Charakter des Gebäudes gehören: Holz, Stein, Stahl und Kupfer.“

 

An den Tischen im Zwischengeschoß aber sitzt man mitten im alten Herz der Mühle, im Mahlwerk mit seinen Zahnrädern, Walzen, Steinen, Schütten, die auch heute noch funktionstüchtig sind. Zur Beratung kam eigens der Müllermeister Hüneke aus dem Nachbarort herüber.

„Um diese hohe Investition zu rechtfertigen“, erklären Mutter und Tochter Brüning, „musste das Geschäft erweitert werden.“ Die Lösung war ein kleines Gästehaus, mit dem sich das Angebot des Forsthauses als Tagungshotel um zehn Zimmer vergrößerte. Dies in den idyllischen Waldwinkel einzubetten, war eine Herausforderung an den Architekten.

Der Wert des Historischen zeigt sich nicht zuletzt in seinem Kontrast zur Gegenwart. Für den Architekten Gerhard Fröhlich bedeutete das, die Achtung vor dem Bestehenden mit neuen Materialien und moderner Technik in einer zeitgenössischen Formensprache zu verbinden. Daraus wurde ein zweistöckiger Kubus im Holzrahmenbau, energieeffizient mit jeweils fünf Zimmern pro Geschoß.

Sämtliche Zimmer sind mit ihren großen Fenstern zur Waldseite ausgerichtet. Die dem Sommergarten vor der Mühle zugewandte Flurseite des Baus jedoch ist ein fensterloser Block, mit dem sich die Alteingesessenen der Nachbarschaft während der Entstehungszeit nicht abfinden wollten. Wer heute vom Forsthaus den Hang herunterkommt, blickt jedoch nicht auf ein roh in die Landschaft hinein gemauertes Rechteck, sondern auf ein flaches, vor dem bewaldeten Hang sich streckendes Gebäude, dessen von langen, schmalen Lamellen aus Robiniengehölz rhythmisierte Fläche einen zeitgenössischen Gegensatz zur alten Mühle bildet – aber keinen Widerspruch.

Das formal Gegensätzliche wird über das Material verbunden. In dem geflammten Bockhorner Klinker, mit denen der Vorplatz von Mühle und Gästehaus gepflastert ist, erscheint das Traditionelle in moderner Form. Und nicht nur dort. „Wir haben bewusst überall viel mit Holz, Stein, Stahl und Kupfer gearbeitet“, erklärt Adelheid Brüning. In ihrer Anmutung und Materialhaftigkeit verstärken diese Elemente die Atmosphäre von Schlichtheit und Ursprünglichkeit.

Das Restaurant ist von den derben blank gescheuerten Holztischen, der Wandverkleidung aus den Brettern einer ehemaligen Scheune bis zur Speisekarte die Fortsetzung des authentischen Mühlencharakters zu neuen Zwecken. Rustikale Gerichte für Wanderer, Kinder, Gäste, die die kulinarische Küche zwar ebenfalls schätzen, den freien Blick in die Natur jedoch Tafelsilber und feinem Tischtuch vorziehen. Hier sind die Genüsse für den Gaumen rustikaler, erdverbundener, doch nicht ohne Raffinement. Wenn man Glück hat, wird die Mahlzeit von einem vorüberfliegenden Eisvogel garniert.

 

KLOSTERMÜHLE HEILIGENBERG
Heiligenberg 2-4, 27305 Bruchhausen-Vilsen
www.heiligenberg-klostermuehle.de

 

Fotos: Armin Reichelt | Sylvia Fricke

Die Terrasse vor dem Mühlteich hat eine Doppelfunktion. Sie schirmt das Mühlengemäuer vor dem beständigen Wasserdruck ab.

Hier sitzen die Gäste umgeben vom alten Balkenwerk im Herzen der Wassermühle, ihrem Mahlwerk. Vor fünfzig Jahren wurde hier zum letzten Mal Getreide zu Mehl gemahlen.

Das kleine Gästehaus neben der Mühle ist mit seinen zehn Zimmern eine Ergänzung des Angebots im Forsthaus auf dem Heiligenberg als Tagungsstätte.

Bockhorner Klinker verbinden die denkmalgeschützte Mühle mit der modernen Architektur des Gästehauses auf harmonische Weise.