Wie resistent ist der Immobilienmarkt?


Wie wirkt sich die Corona Pandemie auf den Immobilienmarkt aus? „Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt hoch“, hatte der IVD im Mai 2020 prognostiziert. Eine Überprüfung dieser Perspektive im Oktober bestätigte diesen Optimismus – der Markt ist trotz der Pandemie stabil geblieben.

„Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt hoch. „

Interessant ist die Entwicklung der regionalen Märkte. Wird es Verschiebungen geben von der Stadt zum Land? Was verändert sich durch den zunehmenden Trend zum Homeoffice? Wie reagieren Banken in Finanzierungsfragen?

Wir haben Makler der Region befragt. Ein Stimmungsbild aus dem Herbst 2020.


Roland Jörgens, Hanse Immobilien Services Bremen und Tim Struckmann, Struckmann Immobilien Bremen sind Geschäfts- und Kooperationspartner: Jörgens mit internationalen Erfahrungen und Wurzeln in Norddeutschland, betreut heute vorrangig die Dolomitenregion Lienz in Österreich. Der Kollege Struckmann mit Sitz in Bremen ist Ansprechpartner für den norddeutschen Immobilienmarkt. „Während der Pandemie ist für uns eine Reduzierung von Verkaufsobjekten zu erkennen. Die Nachfrage nach Immobilien übersteigt deutlich das Angebot. Der Grund ist einfach: In diesen Zeiten ist das Zuhause als intimer wertvoller Rückzugsort eindeutig noch wichtiger geworden. Eventuell bestehende Verkaufspläne werden deshalb häufig aufgeschoben. Auf der anderen Seite ist eine kritischere Betrachtung der Kaufpreise durch die Interessenten spürbar.
Gleichzeit sorgt die unsichere Situation am Kapitalmarkt dafür, dass in Anlageobjekte investiert wird, um möglichen Abwertungen entgegenzuwirken.
Bei der Verschiebung von der Stadt zum Land spielt eine gewisse Stadtmüdigkeit eine Rolle.

Vom Leben auf dem Land erwartet man mehr Freiräume und gesündere Lebensformen und das Homeoffice ermöglicht diese Lebensform. Andererseits ist für viele junge Menschen die Stadt attraktiv. Grüne Zonen und Urbanität sollten deshalb wichtige Punkte bei der Stadtplanung sein.
Eine Schwierigkeit können die verschärften Bonitäts- und Objektprüfungen durch die Banken sein. Bisher haben wir noch keine konkreten Ablehnungen erfahren.
Für die Jahre 2021 und 2022 ist es denkbar, dass durch Zwangsversteigerungen zum Beispiel oder Verwertungen mehr Objekte auf den Markt kommen – mit der Konsequenz fallender Preise. Bislang sind allerdings die Folgen von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit noch nicht auf dem Immobilienmarkt angekommen. Das neue Maklergesetz mit der hälftigen Teilung für Käufer und Verkäufer begrüßen wir sehr, denn unsere Aufgabe als Makler ist eine klar definierte Neutralität. Allerdings gilt die neue Regelung nur für privat genutzte Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen, jedoch nicht für Baugrundstücke und gewerbliche Immobilien. Da hätten wir uns eine einheitlichere Regelung gewünscht.“


Elke Benjes ist Geschäftsführerin der Benjes Immobilien GmbH in Bruchhausen-Vilsen, die im Jahr 2020 das 125-jährige Jubiläum feierte. Verwurzelt in der Region, hat das achtköpfige Team, darunter zwei öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Immobilienbewertung, einen Namen für erfolgreiche Arbeit mit Immobilien im ländlichen Raum.

„Die Nachfrage nach Wohnimmobilien in unserem Geschäftsbereich ist außerordentlich hoch. Ganz einfach, weil das eigene Zuhause für die Menschen gerade in dieser Zeit an Bedeutung gewinnt. Dabei spüren wir deutlich den Trend zur Suburbanisierung, also aufs Land zu ziehen.
Nicht zuletzt durch die Möglichkeit des Homeoffice. Allerdings muss dafür die Internetversorgung stimmen. Ansonsten ist unsere Region sehr gefragt als Wohnort. Das liegt nicht zuletzt an einem guten Angebot an Schulen und Kindertagesstätten. Viele Immobilien kommen allerdings gar nicht erst auf den Markt, weil es oftmals Interessenten im Bekanntenkreis gibt: Oder der richtige Käufer wartet bereits bei uns in der Interessentenkartei.
Das führt dazu, dass sich für uns mitunter auch die Arbeitsabläufe ändern. Häufig setzt die Tätigkeit später ein, weil Verkäufer und Käufer sich bereits gefunden haben und durch uns nur noch eine Immobilienbewertung sowie rechtssichere und reibungslose Abwicklung benötigen. Auch in unserem Wirkungskreis stellen wir fest, dass Immobilien seit 2010 kontinuierlich im Preis steigen. Das hat sich auch durch Corona nicht geändert. Trotzdem sind angebotene Objekte schnell verkauft. Das gilt auch für Bauland. Zurückhaltend sind eher die Verkäufer, sofern nicht triftige Verkaufsgründe vorliegen wie Alter, Krankheit, Scheidung oder berufliche Veränderung. Von einem zögerlichen Verhalten der Banken bei der Darlehensvergabe spüren wir noch nichts. Ab dem 23. Dezember 2020 steht allgemein eine Veränderung für die Immobilienwirtschaft hinsichtlich der Provisionsregelung bei Verkäufen an.
Ab dann gilt das Bestellerprinzip, was bedeutet, dass künftig bei Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen die Maklerprovision zwischen Verkäufern und Käufern hälftig geteilt wird. Das aber machen wir schon immer so, weil wir uns als Mittler verstehen, der beide Parteien optimal begleitet.“

 

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Roland Jörgens
Hanse Immobilien Services

Tim Struckmann
Struckmann Immobilien

Elke Benjes
Benjes Immobilien