Wenn man ein Gebäude von außen betrachtet, weiß man noch nicht, wie es sich darin leben lässt. Der Düsseldorfer Architekt Sven Kastien sagt deshalb, „wir denken in unserem Entwurfprozess sehr viel an die Menschen, die in dem Gebäude leben sollen.“ Da werden Innenarchitekt und Inneneinrichter zum natürlichen Partner. Zum „verdeckten Arm des Architekten, der seine Ideen umsetzt“, wie es Hartmut Fricke, der Geschäftsführer von Fricke Einrichtungen aus Neubruchhausen, ausdrückt. Über den Neubau des Medienhauses in Hamm trafen beide zusammen.

Dass sie auch für das Objekt zusammenfinden würden, war in dem Augenblick klar, als Sven Kastien zu Beginn des Kennenlerngesprächs seine „Liebe zum Detail“ bekannte. Michael Meyer, seit 17 Jahren als Diplom Holzingenieur im Unternehmen Fricke, mag in diesem Moment kurz in sich hineingelächelt und an die respektvollen Seufzer des Fricke-Teams angesichts der Detailverliebtheit ihres eigenen Chefs gedacht haben.

Ein Gebäude entsteht von außen und von innen. Bei einem Medienhaus mit der Lokalzeitung „Westfälischer Anzeiger“ mitten in der historischen Altstadt wird Kommunikation nach außen wie nach innen zum Programm. „Wir wollten offene Strukturen, die Kommunikation und Begegnung hervorheben und Transparenz“, kommentiert Kastien die Grundidee seines Entwurfs. Zur Außenwelt mit der Öffentlichkeit wird sie durch nach Norden und Süden voll verglaste Fronten realisiert. Im Inneren wurde sie zwischen den unterschiedlichen Bürobereichen in jedem Stockwerk durch eine Mittelflurzone umgesetzt. Der Trick: Keine geschlossenen Wände, sondern eine Zone der Begegnung, die über die räumliche Anordnung ihrer Einbauten wie Teeküchen, Stauschränke, Mitarbeiterboxen die Büroflächen strukturiert. Das alles war jedoch erst einEntwurf des Architekten.

„Daraufhin haben wir die Fertigungszeichnung erstellt, das Material mit ihm festgelegt, damit man danach bauen und die Kosten kalkulieren kann“, erzählt Michael Meyer. Das klingt einfacher, als es ist. Denn nun galt es, Form- und Raumideen in den konkreten Bau zu übertragen. Mit Handwerk und Technik, Mathematik und Maß. Und Erfahrung.

„Aufgrund unserer jahrzehntelangen Erfahrung“, sagt Hartmut Fricke, „können wir Ideen zeichnerisch und in der Konstruktion darstellen. Es geht immer darum, die Linienführung des Architekten in der Optik zu verwirklichen, damit er seine Architektur in unserer Arbeit wiederfindet. Hinter jedem Strich verbirgt sich eine Funktion.“

„Der architektonische Rahmen für Begegnung und Rückzug spiegelt sich im Grundriss und in der Innenraumgestaltung wider.“

 

Das Unternehmen Fricke lieferte die Festeinbauten. Elf Küchen auf vier Etagen, vierundzwanzig große Stauschränke für Akten und Garderoben, ferner noch nicht fest eingebaute Arbeitsplätze mit Arbeitsplatten, Bürocontainern, schallschluckende Akustikwände, Waschtische, Geschirrspüler, Kühlschränke … Und das alles muss passen in den vertikalen und horizontalen Linien der Räume, ihren Ecken und Winkeln.

„Einbauschränke installieren klingt einfach“, sagt Michael Meyer, „doch dahinter liegen dutzende Rohre für die Klimaanlage, Wasserleitungen, Heizungsleitungen, die alle über die Einbauten unsichtbar gemacht werden sollen. Also müssen Schränke und Küchen entsprechend gebaut werden, die Türen sich zu neunzig Grad öffnen lassen, bei einem Kühlschrank auch noch weiter, ohne irgendwo anzustoßen. Alles muss zugängig und funktional sein.“

Eine besondere Herausforderung an den technischen Erfindungsgeist und das handwerkliche Know-how war eine Reliefwand, auf der acht zum Teil über hundert Jahre alte Zeitungsseiten die Verbundenheit des Westfälischen Anzeigers von 1850 mit der Stadt Hamm dokumentieren. Im Rahmen, auf Glas gedruckt und so beleuchtet, dass sie dekorativ und dabei lesbar waren.

Die Lösung verlangte vielfältige Detailarbeit und einige Gewerke. „Man braucht die richtigen Reliefplatten“, erklärt Michael Meyer, „die geeigneten LEDs, die Schienen, in denen die Lampen sitzen, einen Glaser, der das Glas bedrucken kann, einen Tischler, der die Rahmen herstellt und am Ende alles aufhängt. Haben wir alles mitgeliefert.“ Über ein Netzwerk von Spezialisten, die mit dem Unternehmen Fricke seit Langem verbunden sind.

In diesem Punkt trafen sich Architekt und Inneneinrichter wie ein Komponist, der einem Orchesterchef eine Komposition vorlegt und fragt: Können Sie das spielen? Was beim Dirigenten dann seine Streicher, Holz- und Blechbläser sind, das sind bei Hartmut Fricke die Tischler, Glaser, Elektriker … Hier wie dort ist das Ziel das gleiche: Die handwerklich exakte Ausführung zum harmonischen Zusammenklang.

 

Fotos: Kastien Architekten, Fabian Linden

Das Wandbild gibt Einblicke in die Entwicklungs­geschichte von Hamm. Es entstammt der archäologischen Untersuchungen, die im Vorfeld der Bauarbeiten durchgeführt wurden. Heute hängt es im Foyer des Medienhauses.

Zum Teil über 100 Jahre alte Zeitungsseiten werden kunstvoll präsentiert. Eine indirekte Beleuchtung verstärkt den Reliefhintergrund. Die Exponate sind auf Glas gedruckt und ebenfalls hinterleuchtet.

Offene Strukturen wie Mittelflurzonen sind begrenzt durch Boxen für Mitarbeiterfächer und Teeküchen.Durchgänge und Durchblicke lockern das Raumgefüge auf.

Mitarbeiterfreundliche Innenraumgestaltung bildet einen optimalen Rahmen für Begegnung und Kommunikation.

Licht, Raumluft, Akustik, Grünbezug, Einrichtungsgestaltung und Kommunikation bestimmen die Qualität von Arbeitsplätzen.

KASTIEN ARCHITEKTEN

Dipl.-Ing. Architekt Sven Kastien führt sein Architekturbüro seit 2007 in Düsseldorf. Ein Schwerpunkt der Tätigkeiten liegt auf Bauten im Bereich Gesundheitswesen, Hotels sowie auf Büro- und Verwaltungsgebäuden.
 

KASTIEN ARCHITEKTEN – Schanzenstraße 20a – 40549 Düsseldorf – Telefon 0211 975369-0
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FRICKE GMBH & CO. KG

Der Tischlereibetrieb Fricke verfügt über handwerkliche Kompetenz, technische Ressourcen und planerisches Know-how, komplexe Inneneinrichtungskonzepte präzise und termingerecht umzusetzen.
 

FRICKE GMBH & CO. KG – Sudwalder Straße 3 – 27211 Neubruchhausen – Telefon 04248 9400
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