Erhält der Architekt freie Hand, benötigt er Einfühlungsvermögen und Wissen über Geschmack und Vorlieben seines Bauherrn.

Davon träumt jeder Architekt: Ein Haus bauen frei nach seinen Vorstellungen von Stil, Ästhetik, Zweckmäßigkeit. Für die Architekten und Diplom-Ingenieure Hans Weidinger und Bettina Gödecke ist dieser Traum bei einem Wohnhaus in Asendorf nahezu vollständig Realität geworden.

Dem Asendorfer Unternehmen „planplus, Weidinger, Gödecke & Partner“ wurde von dem Bauherren im Rahmen eines Budgets weitgehend freie Hand für die Gestaltung gelassen. Sogar die Planung der Außenanlagen und des Gartens wurden ihm anvertraut. Hans Weidinger genoss diesen seltenen Glücksfall. „Auch wenn Entscheidungen mitunter dadurch schwieriger wurden.“ Letztlich soll das Haus ja nicht nur dem Architekten, sondern vor allem dem Kunden gefallen. Um das zu erreichen, braucht er Einfühlungsvermögen, und er muss etwas über die Vorlieben und Gewohnheiten seines Bauherrn wissen.

Vorgegeben waren in diesem Fall: Verblendmauerwerk, Rollladenkästen, 160 qm Grundfläche, keine Schrägen, große Garage. Alles weitere lag in Architekten-Hand. Doch zunächst galt es ein Grundstück zu finden.

Das richtige Haus, so Weidinger, verlangt das richtige Grundstück. Nur so lässt sich optimal planen und bauen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Ausrichtung des Hauses zur Himmelsrichtung. Morgensonne beim Frühstück? Oder lieber Abendsonne auf der Terrasse nach Feierabend? Oder eine Lage, bei der man beides genießen kann? „Der Entwurf des Hauses“, erklärt Diplom Ingenieur Weidinger, „ist abhängig vom Grundstück.“

Die Vorgaben „keine Schrägen bei 160 qm Wohn- und Nutzfläche“ legte ein Haus mit zwei Vollgeschossen nahe. Das allerdings lässt sich nicht überall hinstellen, weil die Auflagen von Gemeinden und Baubehörden es nicht immer zulassen. Rechtliche Fragen dieser und anderer Art sind bei Bettina Gödecke gut aufgehoben. Als Mitglied im Bauherrenschutzbund ist sie auf diesem Gebiet Expertin.

Schließlich fanden Bauherr und Architekt Weidinger ein einzelnes Grundstück in einer Nebenstraße des Ortes, das alle Bedingungen erfüllte. Und weil das Haus ihrer Vorstellungen in Stil, Höhe, Ästhetik mit dem bereits vorhandenen Baubestand der unmittelbaren Umgebung harmonierte, wie es die Bauvorschrift vorschrieb, konnte mit dem Bau begonnen werden.

Nun steht ein geschmackvolles, zweigeschossiges Haus mit rotbuntem Verblendmauerwerk und 175 qm Wohn- und Nutzfläche auf einem fünfzig Jahre alten ehemaligen Gartengrundstück. Der Farbton der grauen Schattierungen auf den rotgebrannten Ziegeln findet sich auf den anthrazitfarbenen Kunststofffenstern mit Holzoptik und der Haustür wieder. Ziermauerwerk verleiht dem Gebäude Leichtigkeit in der Optik, unterstützt von einem Querstreifen über dem Eingangsbereich, der das Obergeschoß optisch verkürzt.

Die optischen Vorzüge finden ihre Fortsetzung bei den inneren Qualitäten. Das Haus entspricht einem KfW 70 Modell und geht sogar noch darüber hinaus. Bettina Gödecke und Hans Weidinger sind schließlich beide zertifizierte Energieberater. So wurde das Gebäude auf sehr hohem Niveau gedämmt, seine Fenster mit einer 3fach-Verglasung versehen. Eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung gleicht die durch hohe Luftdichtigkeit geringe Zirkulation aus und sorgt für ein gutes, gesundes Raumklima.

Weil ein Haus nicht nur auf die Gegenwart, sondern stets auch auf die Zukunft ausgerichtet sein sollte, wurde durch die Ausstattung mit Fußbodenheizung und Heizkörpern die Voraussetzung geschaffen, von der derzeitigen Brennwerttechnik eines Tages auf Wärmepumpe umzurüsten. Über ein im ganzen Haus verlegtes Datenbussystem kann später je nach Wunsch und Bedarf die Gebäudesystemtechnik erweitert werden.

Ganz und gar im Hier und Jetzt allerdings befindet sich die Küche. Nämlich in einem Verbindungstrakt genau zwischen Haus und Garage. Der denkbar kürzeste Weg den Großeinkauf vom Kofferraum des Autos zum Kühlschrank zu transportieren.

Von der Küche tritt man, wie auch aus dem nachbarlich gelegenen Wohnzimmer, direkt auf die großzügige Terrasse. Natürlich barrierefrei – wie überall im Haus. Von der zur Süd- und Sonnenseite gelegenen Terrasse hinter dem Haus fällt der Blick in den Garten. Durch die bodentiefen Fenster zum Garten hin strömt üppiges Licht ins Haus. Die Fenster an der Nordseite sind aus energetischen Gründen kleiner, damit im Winter wenig Wärme entweichen kann. Automatische Rollläden sorgen an der Sonnenseite im Sommer für Wärmeschutz und Kühle.

Für die Umsetzung der Gestaltungsfreiheit, die Hans Weidinger und Bettina Gödeke vom Bauherren bekamen, sorgten sie im übrigen selbst, denn die Bauleitung wurde ihnen ebenfalls übertragen. So lagen auch die Ausschreibung und die Vergabe der einzelnen Gewerke in ihrer Hand, und sie konnten kompetente Handwerker aus der Region auswählen.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn „als Bauleiter ist man gefordert, für eine gute Verzahnung und ein reibungsloses Miteinander aller, die am Bau beteiligt sind, zu sorgen“, sagt Hans Weidinger. „Wenn Probleme auftauchen oder knifflige Dinge zu besprechen sind, kann man sich schnell und unkompliziert an einen Tisch setzen.“

IMG_2389Der zurückversetzte Eingangsbereich wirkt einladend und bietet zugleich Schutz für Besucher. An der Garagenseite lag eine Grenzbebauungssituation vor. Die Lösung besteht aus einer als Attika ausgebildeten innenliegenden Traufe.

IMG_2393Als äußere Fensterbänke wurden fertige Werksteinbänke eingesetzt. Sie fügen sich ästhetisch in das Fassadenbild ein. Im Vergleich zu einer Rollschicht sind sie wesentlich weniger feuchtigkeitsanfällig und erfüllen so neben der optischen Wirkung einen vorbeugenden Bautenschutz.

IMG_2346Magnetdoppeldichtungen des Herstellers Alumat gewährleisten komfortable Barrierefreiheit und absolute Dichtigkeit.

IMG_2344Das Dachfenster versorgt die Küche großzügig mit Tageslicht. Automatische Rollläden schützen vor einem Übermaß an Sonneneinstrahlung und vor Zwielicht.

Fotos: Andreas Schraubek

planplus, Weidinger, Gödecke & Partner


Hans Weidinger und Bettina Gödecke sind als Diplom-Ingenieure und Architekten auch zertifizierte Energieberater. Das Architekturbüro Weidinger wurde 1990 gegründet. Spezialität aus Überzeugung: Ökologisches Bauen mit Ressourcen schonenden Baustoffen und energiesparende Haustechnik. Bettina Gödecke gehört als unabhängige Bauherren-Beraterin dem Bauherren-Schutzbund an.

planplus, Weidinger, Gödecke & Partner – Alte Heerstraße 21 – 27330 Asendorf – Telefon: 04253 92060
www.weidinger-asendorf.de