Erfahrungen und Einsichten der Bremer Einrichtungs-Profis von Treibholz und POPO auf der Mailänder Möbelmesse

Kommunikation und Inspiration! In diesem Grundakkord zum Mailänder „Salone del Mobile“ sind sich Susanne Krenz-Bartels von „Treibholz“ und Lars Dierking von „POPO“ so nahe, wie ihre beiden Einrichtungshäuser, die in Bremen in derselben Straße nebeneinander liegen. Sie gehörten zu den mehr als 300.000 Fachbesuchern, die im April die 55. Auflage dieser größten und bedeutendsten Möbelmesse der Welt auf der Fiera Milano Rho besuchten.

2310 Aussteller aus über 160 Ländern auf 207.000 Quadratmetern, dazu 450 Events auf dem begleitenden „Fuori Salone“ machen die Messe zu einer Art Olympia der Möbel und des Designs. „Wir haben bei dieser Fülle einen Plan, was wir uns anschauen wollen; zunächst natürlich die Neuheiten der Hersteller, mit denen wir zusammenarbeiten“, erklären beide Bremer Möbel- und Design-Profis unisono. All jene persönlich treffen und sich mit ihnen austauschen, mit denen man sonst lediglich per Telefon oder e-Mail in Verbindung steht.

„Und dann die Inspirationen!“, seufzt Susanne Krenz-Bartels. „Also wir lassen uns auch immer überraschen.“ Genau genommen haben sie in diesem Punkt gar keine Wahl. „Das Schöne ist, dass man, wenn man da links und rechts guckt, ständig etwas Neues entdeckt“, beschreibt Lars Dierking seine Mailand-Erfahrungen und erzählt von „abgefahrenen holländischen Studenten mit ihren Ausstellungen in den Industriegebieten Ventura Lambrate“, von dem Unternehmen Baxter, das ein altes Kino übernommen hat, um dort seinen Showroom einzurichten.

„In Mailand“, meint Susanne Krenz-Bartels, „lassen sich alle richtig etwas einfallen“. Und damit ist sie wieder bei ihrem Stichwort: Inspiration. „Treibholz gestaltet ja inzwischen auch Objekte. Büros, Geschäfte, Arztpraxen. Dafür kann man sich in Mailand jede Menge Input holen.“

„Ein bisschen Popart, ein bisschen Hippie-Feeling. Und Farben, die frohe Augen machen.“

Natürlich, da sind sich beide einig, lassen sich viele Ideen, so wunderbar und interessant sie auch sein mögen, nicht 1:1 übertragen. Lars Dierking war beeindruckt von der Rückkehr des Day Beds bei vielen Herstellern. Stardesigner Konstantin Grcic hatte mit seinem Day Bed „Ulisse“ für den World Player ClassiCon sogar eine Homage an Eileen Grey, einer der wichtigsten Designerinnen des beginnenden 20. Jahrhunderts, in eleganter Einfachheit entworfen. „Day Beds sind ein Trend, der wiedergekommen ist“, sagt Dierking. Auch für das eigene Programm von POPO? „Darüber muss man erst einmal nachdenken. Das Day Bed ist sicherlich ein Möbel, das man bis jetzt nicht jeden Tag gekauft hat.“Susanne Krenz-Bartels schwärmt von der reichen Farbigkeit, die ihr in diesem Jahr geradezu frohe Augen gemacht hat. „Ein bisschen Pop-Art, ein bisschen Hippie Feeling.“ Der britische Modedesigner Paul Smith zum Beispiel entwarf eine psychedelische Neuinterpretation der legendären Garderobe „Cactus 1972“. Vitra überraschte mit einer „Colour Machine“. Aber nun gleich gelbe Vorhänge? „Die“, erklärt Susanne Krenz-Bartels nüchtern, „würde hier auf Anhieb niemand kaufen.“

Nicht auf Anhieb – aber vielleicht, wenn sie den Kunden mit ihrer Begeisterung ansteckt. An diesem Punkt treffen sich Inspiration und Kommunikation. „Denn die eigene Begeisterung überträgt sich auch auf den Kunden, der dadurch häufig viel offener wird für neue Ideen.“ – „Come of the 55th year of wow in design“, animierten die italienischen Gastgeber die Möbel- und Design-Profis aus aller Welt. „Wow“ – das war ein Impuls, der Lars Dierking in Mailand beinahe täglich berührte.

Für Susanne Krenz-Bartels kam noch eine andere Dimension hinzu. „Wenn man nach Mailand fährt, wird deutlich wie viel Lebensfreude man über die Gestaltung des Wohnumfeldes vermitteln kann.“ Damit erfüllt sich für sie im Gemüt, was die Vielfalt, Lebendigkeit, Farbigkeit des „Salone del Mobili“ schon allein über das Angebot an Gegenständen und Ideen verspricht: „Man kommt anders von dort zurück, als man hingefahren ist.“

 

Fotos: Saverio Lombardi Vallauri


Susanne-Krenz-Bartels
Susanne Krenz-Bartels vom Einrichtungshaus Treibholz schwärmt von der Fülle der Inspirationen, die auf dem Salone del Mobile auf sie einstürmt. „Wir fahren mit einem Plan dort hin, doch wir lassen uns auch überraschen. In Mailand kann man sich jede Menge Input holen.“

 
 

Lars-Dierking
„Das Schöne in Mailand ist, dass man, wenn man links und rechts guckt, ständig etwas Neues entdeckt“, bringt Lars Dierking vom Bremer Einrichtungshaus POPO seine Eindrücke auf den Punkt. Auch wenn sich nicht alle wunderbaren Ideen für uns 1:1 übertragen lassen.“

DAYBED

Der World Player ClassiCon präsentierte mit seinem Daybed vom Stardesigner Konstantin Grcic eine Homage an eine der wichtigsten Designerinnen zu Beginn 20.Jahrhunderts: Eileen Grey aus Irland.
Fotoquelle: www.classicon.com