Sharing von Wohneigentum ist ein neuer Trend auf dem Immobilienmarkt.

In unserer individualisierten Gesellschaft ist das Teilen von Dingen in den meisten Lebens-bereichen ökonomisiert. Gleichwohl hat die alte Redenart „Teilen verbindet“ ihre Berechtigung nicht eingebüßt. Das gilt nach einem neuesten Trend sogar für Immobilien – „Sharing“. Außer dem Motiv des Geldsparens geht es hier wesentlich darum, Gleichgesinnte zu finden und sich ein wenig mehr selbst zu verwirklichen. In Bremen und umzu gibt es etliche Konzepte, die gemeinschaftliches und selbstbestimmtes Wohnen zum Ziel haben. Außer guter Nachbarschaft kann das geeinte Wohngefühl in der Tat auch finanziell interessant sein – wenn die passende Rechtsform gewählt wird.

Obwohl Sharing noch ein junger Trend auf dem Immobilienmarkt ist, halten bereits rund 35 Prozent der Deutschen dies für ein zukunftsorientiertes Wohnkonzept. Beim Wohn-Sharing gibt es jedoch Varianten in der Umsetzung, die bedacht werden müssen, denn die gewählte Rechtsform bestimmt maßgeblich vertraglich das Miteinander.

In Bremen wird für Sharing seit ein, zwei Jahren ein stärkerer Zuspruch verzeichnet. Eine Renaissance der Hippie-Kultur auf dem Immobilienmarkt? Der Bremer Architekt und Ingenieur Joachim Böhm hat Erfahrung als Projektentwickler von Gemeinschaftsprojekten.
Vorreiter gemeinschaftlicher Bau- und Wohnformen sind laut Böhm Hamburg, Berlin, Freiburg und Tübingen, doch auch Bremen rücke weiter in den Fokus. In einem erprobten Netzwerk berät Böhm mit seinem Unternehmen Plan A Wohn-projekte GmbH und weiteren Mitarbeitern Käufer und Mieter, die sich Gemeinschaftswohnen gut vorstellen können.

Dabei geht es, so Böhm, um wichtige „gemeinsame Nenner“: Sozial gemischt wohnen, was auch bedeutet, dass der eine mehr Eigenkapital als der andere in das Wohnprojekt einbringen kann. Bei höherer Kapitalbeteiligung auch mietfrei wohnen. Und schließlich: Als Gemeinschaft selbst bestimmen können, wer neu einzieht. Ein Raum in der Wohnanlage gehörte zudem allen, das heißt, er wird als Gemeinschaftsraum, als Gästeunterkunft oder für andere Zwecke von den Bewohnern genutzt.
Vor diesem Hintergrund steht ganz aktuell das Projekt Theovida in Bremen-Walle vor dem Baubeginn. Elf Wohnungen in Größenordnungen zwischen 50 bis ca. 110 qm sind bereits fast alle vergeben. Margitta Wülpern-Klauck gehört zu den neuen Mitbewohnern. Die Lehrerin für Pflegekräfte hat gerade erst sechzigsten Geburtstag gefeiert und gezielt diesen Weg des Wohnens gesucht. Sie sei früher auf dem Lande in einer Großfamilie aufgewachsen. Als Miteigentümerin an der Theovida habe Sie sich zugleich für eine Ersatzfamilie entschieden, um im Alter nicht zu vereinsamen. Und hier bleibe sie sogar in ihrem gewohnten „Waller Kiez“.

Neben der guten Nachbarschaft kann das Wohngefühl auch finan-ziell interessant sein.

Vom halbjährigen Kleinkind bis zur angehenden Pensionärin, von der jungen Familie bis zur alleinerziehenden Mutter, reicht das Spektum der Theovida-Gruppe. Jeder hier ist Eigentümer und Mieter zugleich, „denn mit dem Erwerb erkauft man sich nicht das Recht an einer Wohnung sondern an Geschäftsanteilen des Gesamtobjektes“, erklärt Böhm.

Silvia Schaade ist über die Plan A Wohnprojekte GmbH zu Gleichgesinnten gestoßen. „Mir geht es ganz wesentlich darum, dass meine Kinder in lebendiger Nachbarschaft mit anderen Kindern und einem guten sozialen Umfeld aufwachsen“, erklärt die junge Mutter. Ob ein Wohnprojekt dann als Eigentumswohnungen besteht, sich eine Wohnungsgenossenschaft gründet oder eine andere Rechtsform entsteht, hängt stark von den Wünschen der jeweiligen Projektgruppen-
mitglieder ab.

Ein anderes Modell Gemeinschaftswohnen durch die MOSAIK Wohnprojekt GmbH ist mit 21 Wohneinheiten und 1.523 qm Wohnfläche sind im Bremer Stadtteil Huckelriede entstanden. Für sämtliche Wohnprojekte dieser Art gilt, dass ihre Realisierung einen hohen Einsatz von allen Beteiligten erfordert und ohne eine dauerhafte Moderation kaum zu leisten ist. „Hilfreich sind praktische Erfahrungen und offene Kommunikation“, soll heißen, eine Gruppe ermittelt aus einer Reihe selbst entwickelter Lösungsvorschläge jenen Vorschlag, der unter allen Beteiligten die geringste Ablehnung erfährt – und somit einem allgemeinen Konsens am nächsten kommt.

„Dass man nicht Eigentümer einer Wohnung ist, sondern lediglich KG-Anteile und ein Wohnrecht erwirbt, ist sicher für einige gewöhnungsbedürftig“, gibt Margitta Wülpern-Klauck zu Bedenken. In der Gartenstadt Werdersee ist mit Plan A als Koordinator ein weiteres Bauvorhaben in Gemeinschaft vorgesehen: Böhm verspricht den zukünftigen Hausgemeinschaften unter anderem Kosteneinsparung bis zu 25 Prozent und das Projektmanagement bis zur Fertigstellung. Bei der Plan A Wohnprojekte GmbH haben Menschen, die ein Projekt gründen möchten und Gleich-gesinnte suchen die Möglichkeit, ihr Projekt oder ihre Projektidee zu veröffentlichen und dafür zu werben. www.bauenundleben.net

Trendforscher sehen für die Zukunft noch eine völlig andere Form des Teilens von Wohnraum, das sogenannte „Wohnsharing“. Dabei werden Bereiche, die nicht täglich genutzt werden, zum Beispiel eine Dachterrasse oder ein Gästezimmer, aus der eigenen Wohnung ausgegliedert und in Gemeinschaftsflächen prinzipiell für alle Hausbewohner zur Verfügung gestellt.
 

Entwurf: Jutta Unland, Foto oben: Felix Clebowski



Vereint planen, vereint wohnen, vereint alt werden. Das Modell Gemeinschaftswohnen stellt an die Bewohner Ansprüche in der Kommunikation.
Foto: Theovida


Wer sich für Wohn-sharing entscheidet, muss sich in der Regel daran gewöhnen, dass er lediglich Wohnrecht hat, aber nicht Eigentümer ist.
Entwurf und Visualisierung: Architekt Bernhard Brakenhoff